Theaterpädagogik

Theaterpädagogik

Theaterpädagogik - Was isn das?

Was sich hinter dem Berufsfeld Theaterpädagogik verbirgt, ist vielleicht nicht ganz so leicht zu beantworten wie die Frage nach den Aufgaben eines Bäckers. Ein Bäcker hat das Backhandwerk gelernt und steht morgens auf, um uns mit Brötchen, Broten und Kleingebäcken zu beglücken; und damit verdient er sein Geld. Das kann man sich soweit zunächst ganz gut vorstellen. Ein Theaterpädagoge hat das Handwerk der Theaterpädagogik gelernt und verdient sein Geld mit pädagogischer Theaterarbeit. Was darunter vorzustellen ist, ist nicht leicht zu beantworten. Trotzdem stelle ich mich dem Versuch, zusammenzufassen, was Theaterpädagogik ist – beziehungsweise, was man so macht als Theaterpädagoge.

Klar, wie der Name schon sagt, befinden wir uns in einem Feld zwischen Theater und Pädagogik – und das ist ein weites Feld. Vor allem, ich denke das kann man ganz verallgemeinernd sagen, haben Theaterpädagogen gelernt Theater zu machen, und zwar mit Laien. Das heißt, mit Menschen, die nicht professionelle Schauspieler sind. Sie bringen Menschen zum Theater spielen, die das nicht gelernt haben. Und das können Menschen sein, in all möglichen Konstellationen, an all möglichen Orten. Man findet Theaterpädagogen unter anderem in Jugendclubs, Schulen, Kindergärten, Altersheimen und Justizvollzugsanstalten, wo sie tapfer Theatergruppen anleiten. Theatergruppen an den genannten Einrichtungen gibt es aus den verschiedensten Gründen. Sei es als ein zusätzliches Freizeitangebot oder aber auch beispielsweise zur Förderung der Sprachkompetenz und sozialer Kompetenzen.

Doch Theaterpädagogen sind nicht nur Spielleiter. Viele leiten nicht nur an, sondern trauen sich auch selbst auf die Bühne. Theaterpädagogik – als Brücke zwischen Theaterkunst und Gesellschaft – deckt auch Theaterinszenierungen für bestimmte Zielgruppen ab. So entstehen Theaterkollektive, bestehend aus Theaterpädagogen, die beispielsweise Stücke für Kinder entwickeln oder Stücke erarbeiten, die der Sucht-/ Gewaltprävention dienlich sind. Viele Stadt- und Staatstheater haben ebenfalls Theaterpädagogen eingestellt. Diese leiten, unter Umständen einen hauseigenen Kinder- / oder Jugendclub. An festen Häusern verhelfen Theaterpädagogen aber auch Interessierten einen Zugang zum Theater zu bekommen. Oft können Gruppen, die zusammen eine Inszenierung schauen wollen, vom theaterpädagogischen Angebot profitieren. Im Rahmen von Vor- und Nachbereitungs-Workshops können Gruppen für den Inhalt und der Art der Inszenierung sensibilisiert werden, sowie das Gesehene reflektieren.

Und ob man es glaubt oder nicht: Theaterpädagogen sind auch in Wirtschaftsbereichen aufzuspüren. So werden sie immer häufiger beauftragt in Unternehmen Trainings und Seminare zu geben. Themenschwerpunkte können dabei Konfliktmanagement, Körpersprache/ Rhetorik und Teambildung sein.

So unterschiedlich die Arbeitsbereiche von Theaterpädagogen sind, so sind auch die Ziele, die diese verfolgen. Häufig steht in einem theaterpädagogischen Projekt der Prozess im Vordergrund. Stets stellt sich die Frage, inwieweit ein Projekt einen Lerneffekt für die Spieler hat. Die Zielsetzungen gehen dabei in unendlich verschiedene Richtungen. Fakt ist jedoch, dass die Teilnehmenden nicht als Werkzeug oder als Hilfsmittel dienen, um die kreativen Visionen eines „Regisseurs" zu verwirklichen. Theaterpädagogik ist im Idealfall ein Gemeinschaftsprojekt, in dem die Kinder, Jugendlichen, Senioren (oder mit welcher Zielgruppe man auch arbeitet) einen Nutzen daraus ziehen.

Ebenso kann es erstrebenswert sein, eine Produktion Zustande zu bringen, die für die Spieler als auch für das zuschauende Publikum ein Erlebnis ist; eine Vorstellung, welche einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.
Es gibt aber auch häufig theaterpädagogische Projekte, bei denen eine Vorstellung nicht den Schwerpunkt der Arbeit darstellt. Welche Eindrücke eine Aufführung beim Zuschauenden hinterlässt, was das Publikum erlebt, ist dabei nicht von großer Relevanz. Und bei wiederum Anderen ist erst gar keine Aufführung Teil des Konzeptes.

Über das Für und Wider der verschiedenen Herangehensweisen soll hier nicht diskutiert werden, denn Theaterpädagoge ist nicht gleich Theaterpädagoge, sondern ein Theatermacher, irgendwo auf dem weiten Feld zwischen Theater und Pädagogik.

verfasst von Julika Tulipa am 20. Feb. 2013

Kommentare (1)

  1. fritz schrieb am 28. Oct 2015 um 03:15 AM

    Als ich mit Theaterpädagogik anfing, war das Wort weder in der Arbeitsagentur noch in der Künstlersozialkasse üblich, wurde dann aber akzeptiert. Bis heute muss ich den Beruf aber immer noch erklären ...

    ... und bin heute freudig auf einen ganz alten Kollegen gestoßen, der mir da noch gar nicht geläufig war: Erwin Piscator. Er hatte vor allem in New York dann theaterpädagogisch gearbeitet, da können wir noch mal stolz nachlegen.

    Seine damalige Schülerin Judith Malina vom Living Theater hatte noch neulich seine Notizbücher veröffentlich, bisher wohl nur in englisch. https://www.youtube.com/watch?v=ANdyhTKEwsQ

    Judith Malina: The Piscator Notebook. Routledge Chapman & Hall, London 2012

    https://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Piscator

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