Theaterpädagogisches Schauspieltraining. Ein Versuch

Theaterpädagogisches Schauspieltraining.  Ein Versuch

Dezember 2014, transcript Verlag, ISBN 978-3-8376-3009-1.

Theaterpädagogisches Schauspieltraining. Ein Versuch

von Fu Li Hofmann. Eine Rezension von Werner Jauch

Fu Li Hofmann kommt aus der theaterpädagogischen Praxis und doch ist sein Buch – wie der Titel vermuten lassen könnte – keine Fundgrube für Theaterübungen, keine detaillierte Workshop- noch Inszenierungsanleitung, deren es ohnehin bereits viele auf dem Markt gibt.
Es ist andererseits aber auch kein wissenschaftlicher Diskurs in trockenem Fachjargon, durch den man sich mühsam durchbeißen muss. Sein Buch ist vielmehr ausgerichtet auf ein theaterpädagogisches Erkenntnisinteresse, es versucht die Brücke zu schlagen zwischen Erfahrung und grundsätzlichen theoretischen Über-legungen zur theaterpädagogischen Praxis.

Über einen historischen Abriss von Schillers Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" bis zur Postdramatik kommt er zu den Fragen,um die es ihm wesentlich geht:

- Was macht das Theaterspielen mit den Spielern?
- Was fördert die Entfaltung schauspielerischer Kreativität?
- Wie lassen sich im theaterpädagogischen Training kognitive Blockaden und zu viel rationale Kontrolle überwinden?
- Wie lässt sich agieren im Spannungsfeld zwischen Spielregeln und Offenheit des Spielprozesses?

Er untersucht die Bedingungen der (Probe)Bühne als eines geschützten Freiraumes, den performativen Aspekt der Ko-Präsenz von Akteuren und Zuschauern, die Möglichkeiten und Grenzen freier und gebundener Improvisationsformen und die Beziehung zwischen Ensemble und Spielleitung.
Er begründet überzeugend, weshalb es kein allgemeingültiges Rezept für die Anleitung theaterpädagogischer Prozesse geben kann.
Und: "Nur wer spielen kann, kann Spielleitung werden."

Der Kern des Buches orientiert sich eher an einem längerfristigen kontinuierlichen Training mit einer Gruppe, aber auch auf die oftmals (leider!) allzu knapp bemessene Arbeitszeit in der schulischen Praxis lässt sich vieles nützlich übertragen. Für Anfänger in theaterpädagogischer Spielleitung allerdings dürfte es weniger hilfreich sein als für Menschen mit einiger Praxiserfahrung. Und nicht zuletzt: es ist keineswegs oberflächlich, aber sehr verständlich und mit Herzblut geschrieben, eine durchaus lustvolle Lektüre.

verfasst von Werner Jauch am 09. Jun. 2015

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