(S)eines Glückes Schmied

(S)eines Glückes Schmied

(S)eines Glückes Schmied

„Wir choreographieren DAAAAASSSS“, nach dem gefühlten hundert-achtundneunzigsten Mal, in welchen die Matratze immer wieder auf und abgebaut werden musste, wurde entschieden ob nun mit dem oder entgegen dem Uhrzeigersinn gegangen wird. Ich fing an die Sätze, welche ich an diesem Tage nun auch schon MEHRMALS gehört hatte, mitzureden und auch kleine Melodien einzubauen.

Es war dunkel, mein Gesäß tat langsam weh von diesem komischen Etwas, auf dem ich saß und die stickige Luft im Theater war nun schon so oft von meinen Kommilitonen und mir ein und ausgeatmet worden, dass ich beinahe schmecken konnte was der Mensch da hinter mir zum Mittag hatte. Aber was tut man nicht alles für die Kunst und auch für sein Semester: „Ihr seid ein Ensemble, ihr müsst spüren was für Impulse aus ihm kommen“. Jetzt lag in dieser ziemlich verbrauchten Luft eine Mischung aus verbrannten Gehirnzellen, Albernheit und etwas von Deo bedecktem Schweißgeruch. Man mag es keinem verübeln, wir mussten ja immer wieder irgendwelche schweren Holzklötze, Matratzen, ausgestopfte Puppen oder sonstigen Kram schleppen.

Mein Semester begleitete mich drei Jahre meines Lebens. Und so oft gab es diese Situationen, in welchen ich genervt war wegen stundenlanger Diskussionen und durchkauen von irgendwelchen Szenen, die am Ende doch nur ein paar Menschen zu Gesicht bekommen.
Doch immer wenn ich solche Momente erlebte, gab es um so mehr Dinge und gerade auch Menschen, die mir halfen zu verstehen und die mir Mut machten, mich aufbauten oder einfach mit mir stritten. Und am Ende war dieses “Semesterdingens” doch Eins, irgendwie. Ja am Ende gab es viele Liter Tränen die weggewischt werden mussten, weil es ja immer ein Ende gibt.

Aber es wird immer so weiter gehen: proben, schwitzen, rumalbern, diskutieren, nachdenken … wofür? Und dann ist man schließlich doch glücklich und stolz wie Bolle, dass man es geschafft hat und der Applaus gar nicht so schlecht ist.

Doch was wäre dieser Erfolg wenn man nicht Menschen hätte, mit denen man all diese Dinge machen und teilen kann? Ich bin nicht der einzige Schmied in meinem Leben. Danke dafür!


verfasst von Liane Jaskulke am 08. Jan. 2014