Das kalte Herz

Das kalte Herz

Das kalte Herz

Liebe Christa, Danke, dass du uns hier für TOP Rede und Antwort stehst! Du bist im TdG des Jungen Ensemble Stuttgarts.
Wie hast du den Weg zum Theater gefunden? Hast du neben dem TdG mit Theater zu tun?

Ich habe eine Ausbildung zum Theaterlehrer gemacht. Damals noch am Theater im Zentrum.

Wie bist du auf das Theater der Generationen aufmerksam geworden?

Nach dem Abschluss dieser Ausbildung hat mich mein Kursleiter, der Theaterpädagoge Peter Galka, gefragt, ob ich Lust hätte, in diesem Projekt mitzumachen. Er hat dieses Projekt damals gegründet.

Hattest du Zweifel, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die nicht im gleichen Alter sind, wie du?

Eigentlich nicht. Ich habe mir damals keine Gedanken gemacht und habe mich einfach auf das Projekt eingelassen.

Kannst du kurzen Einblick darüber geben, wie im TdG gearbeitet wird?

Am Anfang steht immer ein bestimmtes Thema, ein Arbeitstitel.

An den Abenden werden viele Übungen gemacht, damit sich die Gruppe untereinander kennenlernen kann, denn Vertrauen in der Gruppe ist eine Voraussetzung für gute Theaterarbeit. Dann wird viel zum vorgegebenen Thema improvisiert - meist in Kleingruppen. Aus diesen Improvisationen entsteht dann die Materialsammlung, mit der das Stück geschrieben wird. Geschrieben wird es immer von unserem Regisseur und dem Dramaturgen. Anschließend werden die einzelnen Szenen geprobt - gemeinsam und auch in einzelnen Gruppen. Zwischendrin und vor allem vor der Premiere gibt es dann Probenwochenenden, bei denen sehr intensiv geprobt wird.

Wie würdest du die Stimmung innerhalb der Gruppe vom „Kalten Herz" beschreiben? Welche Veränderungen hast du im Laufe der gemeinsamen Zeit wahrgenommen?

Anfangs, im Januar, haben wir in zwei Gruppen gearbeitet, die Gruppe „der Bäume" und die Gruppe „der Personen". Die „Bäume" hatten es sehr schwer, weil sie einmal die schweren Bäume immer an bestimmte Plätze tragen und noch ihren Text können mussten.
Erst nach den Sommerferien haben wir dann zusammen geprobt und haben dadurch etwas Zeit gebraucht, um uns als Gruppe zu finden.
So richtig zusammengewachsen ist die Gruppe dann während der Endproben, was sehr schön war.
Eine Erfahrung besonderer Art war, dass in der Gruppe ein Rollstuhlfahrer war.

Gab es auch mal Unmut in der Gruppe? Über was für Schwierigkeiten seid ihr gestolpert?

Unmut gab es dann, wenn Teilnehmer entweder zu spät oder gar nicht kamen.

Was war dein persönliches Highlight bei dem Projekt?

Für mich gab es mehrere Highlights. Einmal fand ich die Einzelproben richtig spannend -die Rollenarbeit. Zu erleben, wie die Biographie, aber auch der Subtext in das zu Spielende einfließt und die Spielweise belebt.

Ein zweites war, dass es mir gelungen ist, über meine Anspannung hinaus zu gehen und souverän zu spielen.

Was würdest du sagen, ist die Qualität an generationsübergreifendem Theater?

Die Qualität ist, dass sich unterschiedliche Altersgruppen treffen, sich zu einem bestimmten Thema Gedanken machen, sich austauschen und dann ein gemeinsames zielgerichtetes Spiel beginnen. Das bedeutet aber auch, mit ganz unterschiedlichen Lebenskonzepten konfrontiert zu werden und sich damit auch auseinanderzusetzen. Da kann sehr viel Miteinander entstehen, sehr viel gegenseitiges Lernen und Verstehen. Egal ob jung oder alt.

Die Eigenheiten oder Meinungen der verschiedenen Generationen können so zum Ausdruck gebracht werden. Jede Altersgruppe kann sich finden. Kaum einer steht allein.

Würdest du wieder in eine so bunt gemischte Gruppe einsteigen?

Auf jeden Fall mache ich weiter. Einmal weil Theaterspielen zu meinem Leben gehört, es so ein großes Feld bietet zu lernen und weil ich immer wieder interessante Menschen und Themen kennenlerne.
Mein ganz persönliches Statement ist, dass es eine sehr gute Spielleitung braucht, die die Prozesse, die ablaufen beobachten und leiten kann. Peter, Christian, Anna-Lea, Julia waren einfach super!

Herzlichen Dank für deine Antworten!

 

verfasst von Christa Stocker am 22. Dec. 2013