Der Splitter! Oder: Warum man vorm Krankenhaus keine Angst haben muss

Der Splitter! Oder: Warum man vorm Krankenhaus keine Angst haben muss

Der Splitter! Oder: Warum man vorm Krankenhaus keine Angst haben muss

Prolog: „Keine Angst vorm Krankenhaus“ ist ein pädagogisches Mitmach-Theaterstück für Kinder von drei bis sieben Jahren. Das Ziel ist es, Fragen zu beantworten, Unsicherheiten zu nehmen und die Angst der Kinder vor Ärzten und Krankenhäusern durch gezielte Auf- und Erklärung zu lindern. Die Idee und das konkrete Stück stammen von Rahel Kurpat. Im Folgenden möchte ich nun berichten, wie eine Aufführung bei uns aussieht, ausgesehen hat oder aussehen könnte.

Erster Akt: Im Stück bin ich Emma. Emma ist 5 Jahre alt und muss ins Krankenhaus, weil sie beim Rollerfahren hingefallen ist.

Im echten Leben bin ich Clarissa, 25 Jahre alt und Theaterpädagogin. Das ist eine Tatsache, die ich, ob der Pädagogik des Stücks, nicht voll und ganz ausblenden kann. Ich betrete also als Emma-Clarissa den Raum. Emma staunt, weil alles so weiß ist und so komisch riecht. Sie versucht, tapfer zu sein, aber sie hat doch ganz schön viel Angst. Clarissa hört, wie im Publikum noch wichtige Fragen geklärt werden.
Kind: „Häh? Ist das jetzt echt?”
Erzieherin: „Ja, das ist ein echtes Theaterstück und da spielen echte Menschen.”
Clarissa schmunzelt innerlich. Emma fühlt sich immer noch unwohl, und jetzt kommt da auch noch so eine komische Gestalt auf die Bühne, die erst mal über den Tisch fliegt. Ach so, das ist eine Eule.
Moment mal - eine Eule im Krankenhaus, gibt es das denn überhaupt? Emma versteckt sich lieber mal.

Zweiter Akt: Emma wurde ertappt. Obwohl Emma die Kinder im Publikum darum gebeten hatte es nicht zu tun, haben sie der Eule Emmas Versteck gezeigt. Das ist aber nicht so schlimm, weil Boni (alias Rahel), so heißt die Eule, eigentlich ganz nett ist. Außerdem kennt sie sich im Krankenhaus gut aus und kann viele spannende Geschichten erzählen.

Emma fasst langsam Vertrauen. Clarissa ist fasziniert davon, dass Kinder sich kaputt lachen, weil sich zwei Menschen auf der Bühne jagen.

 

Dritter Akt: Im Laufe des Stücks werden die Kinder im Publikum immer wieder ins Geschehen einbezogen. Sie dürfen z.B. Fragen beantworten oder sogar auf der Bühne assistieren. Das klappt in der Regel gut. Manchmal dauert das Stück dann auch länger, weil ein Kind ausführlich erzählt, wie es ein neues Herz bekam und am nächsten Tag eine Möhre gegessen hat. Clarissa könnte vor Rührung heulen. Sie ist erstaunt, wie pragmatisch Kinder Dinge sehen können. Und Emma fragt: „Ist das ehrlich passiert?”

Vierter Akt: Es wird untersucht, gepflastert, geröntgt und operiert, geschlafen, gegipst und getupft. Die meisten Kinder gucken ganz gespannt zu. Und die Kinder die eigentlich zu alt für unser Stück sind, rufen blöde Sachen rein: „Ihr macht das falsch. “ „Das tut wohl voll weh!“ „Davon stirbst du.“ Clarissa denkt sich: „Mein Gott, halt die Klappe!” Emma fragt: „Boni, stimmt das, was der Junge da sagt?“ Sie ist verunsichert. Tun Ärzte einem doch weh?

Fünfter Akt: Nun ja, also eigentlich wollen die Ärzte dir nicht weh tun, aber manchmal muss es ein bisschen weh tun, damit es dann nicht mehr so doll weh tut, weil es tut ja weh also... STOPP! Boni, Hand aufs Herz, tun Ärzte einem weh? Boni denkt nach.

Boni: „Hattest du schon mal einen Splitter?“
Emma: „Ja, der tat weh, aber die Mama hat den raus gemacht.“
Boni: „Und, tat das Rausmachen auch weh?“
Emma: „Ja!“
Boni: „Und danach?“
Emma: „Ne, dann nicht mehr, da war der ja weg.“
Boni: „Siehst du, so ist es auch beim Arzt. Du hast einen Splitter, der tut weh, das Rausmachen tut sogar noch ein bisschen doller weh, aber danach tut es gar nicht mehr weh.“

Das hat Boni gut erklärt. Aber eine Frage hat Emma doch noch: „Was ist eine Operation?“
Ein Kind aus dem Publikum: „Das ist was mit Schläuchen.“
Zweites Kind: „Da wirst du aufgeschnitten, mit einem Messer.“
Drittes Kind: „Das ist, damit du nicht krank wirst.“ Emma ist schockiert und fragt: „Boni, stimmt das?“ Na ja, nicht so ganz . Und dann muss Florian, der Teddy, für eine Operation herhalten...

 

Sechster Akt: Wir sind am Ende. Emma muss jetzt zum echten Arzt, weil das ja alles nur gespielt war. Oder? Emma sagt: „Mama, eigentlich muss der Arzt mich gar nicht mehr untersuchen, weil das hat alles Boni schon gemacht...“

Clarissa und Rahel verbeugen sich. Sie bekommen zum Dank Applaus oder ein Lied gesungen. Sie fragen noch einmal: „Muss man vorm Krankenhaus Angst haben?“, „Neeeeiiiiinnn“, schallt es ihnen entgegen. Aber man darf aufgeregt sein, immerhin riecht es da so komisch und es ist alles so weiß.

Dann packen Rahel und Clarissa ihr Bühnenbild wieder ein, um es ein anderes Mal andernorts wieder aufzubauen.

Epilog: Wir sind ein Tourneetheater und spielen gerne auch bei Ihnen. Weitere Informationen gibt es hier: http://www.rahel-kurpat.de/Tourneetheater


Foto: Annette Bredeck

 

verfasst von Clarissa Scheve am 15. Oct. 2013