Gemeindeprojekt „Visionen – das Musical“

Gemeindeprojekt „Visionen – das Musical“

Gemeindeprojekt „Visionen – das Musical“

Als ich im Frühsommer des Jahres 2012 das erste Mal mit der musikalischen Leiterin des Jugendchores der Gemeinde telefonierte und von dem Musical "Visionen" hörte, da war ich sofort Feuer und Flamme. In mir entstand ebenfalls eine Vision: Ein Musical mit einer Gemeinde inszenieren zu dürfen; noch dazu mit einem 40-köpfigen Posaunen-Orchester - was für ein Geschenk für eine Musicaldarstellerin und Theaterpädagogin.

Als ich dann das Musical "Visionen" von Evelyn Klauzner in den Händen hielt und dazu ein Konzept erstellen sollte, da war ich kaum zu bremsen. Eine Vision des Musicals "Visionen" entstand in meinem Kopf. In wenigen Stunden hatte ich das Konzept erstellt und ich war mir sicher: Das ist genau das richtige Stück für eine Gemeinde. Die Erhaltung der Schöpfung als solche und auch die Möglichkeit mit den vielfältigen Menschen die zu einer Gemeinde gehören zu arbeiten, verhießen eine besonderes schöne Herausforderung. Trotzdem war ich nervös als ich zum "Vorstellungsgespräch" in die Gemeinde fuhr. Auch wenn ich als Musicaldarstellerin schon viele Castings gemacht habe, als Theaterpädagogin ist es recht ungewöhnlich sich mit mehreren Bewerbern hinter einander am selben Tag um das gleiche Projekt zu bemühen.

Doch schon beim Betreten der Kirche fühlte ich mich als wenn ich nach Hause kommen würde. Und das Gespräch war eher wie ein Gespräch unter Freunden und weniger wie ein Vorstellungsgespräch. Und dieses Gefühl blieb auch während der gesamten Visionenzeit bestehen. Ich ging nicht "zum Arbeiten" sondern ich stellte mit Freunden ein wundervolles Musicalprojekt auf die Beine.

Schon im ersten Gespräch habe ich mit Feuereifer meine beiden Grund-Ideen erläutert. Zum einen wollte ich "Visionen" als Zirkus erzählen und zum anderen wollte ich, dass dies wirklich ein Gemeindeprojekt für alle sein sollte: mit oder ohne Behinderung, mit pschischen störungen und ohne, alt oder jung, evangelisch oder muslimisch - also inklusiv im besten Sinne.
Zum Glück überzeugten meine Ideen und so war es dann bald so weit: Die Vorbereitungen begannen. Schnell lernte ich, dass diese Gemeinde etwas ganz, ganz Besonderes ist. Während in fast allen anderen Theaterprojekten immer nur davon gesprochen wird, was alles NICHT geht, so hieß es hier "Was brauchen wir? Ok, das kriegen wir hin."
Niemals zuvor habe ich so oft "das kriegen wir hin" gehört wie bei dem Musical "Visionen". Angefangen von den wunderschönen musikalische Arrangements, über das großartige Catering bei jeder Probe, das gigantische Bühnenbild (wobei die gesamte Kirche mit Molton schwarz abgehangen wurde), das tolle Dirigat, die wunderbare musikalische Einstudierung der Sänger, die liebevollen Kostüme, die Gesamtorga, die tollen Fotos, die unermüdliche Assistenz und nicht zuletzt das super Orchester und die gigantischen Darsteller!

Ich habe bestimmt einiges nicht erwähnt, aber ich habe mit Sicherheit nichts vergessen, alle diese unbeschreiblichen engagierten Menschen sind in meinem Herzen tief verwurzelt. Insgesamt waren über 100 Menschen an dem Projekt beteiligt, davon allein 30 auf der Bühne und 40 im Orchester – alle ehrenamtlich. Jeder hat viel Zeit, Herz, Arbeit und Schweiß in dieses Projekt gesteckt; von dem jüngsten Schauspieler mit seinen 11 Jahren, über den Pfarrer, der als Baum wahres Rock-Talent bewies, bis hin zur 80-jährigen Kostümschneiderin.

Doch zurück zum Anfang: Als der erste Termin, unser "Kick-Off"-Termin stattfand, da waren viele verwundert und erstaunt, was ich von ihnen wollte: Theaterspielen auch wenn man im Orchester sitzt? Durch den Raum laufen obwohl man die Kostüme nähen wird und gar nicht selbst auf der Bühne steht? Was soll das alles? Doch auch wenn es bei einigen vielleicht einen Augenblick gedauert hat, ging es immer darum eine gemeinsame Vision zu schaffen, bei der alle das Gesamte im Blick haben, nicht nur ihren Part. Und es ging immer darum, dass jeder und jede seinen Platz findet, gefordert und gefördert wird.

Natürlich hat ein solch partizipativer Probenprozess auch Stolpersteine und Hindernisse. Aber in dieser Gemeinde hieß es immer: "Ok, das kriegen wir hin!" und so war es auch. Es gab nichts, was wir nicht hinbekommen haben!

Und nichts was mich mehr berührt hat wie diese wundervollen Menschen mit ihrer Energie, ihrem Glauben und vor allem ihrem großen Herzen.
Und dies konnten auch die Zuschauer in den drei ausverkauften Vorstellungen erleben: Von der Zuckerwatte über den Einlass, das Programmheft, den vielen Helfern hinter der Bühne, dem bestens aufgelegte Orchester bis hin zu den großartigen Darstellern auf der Bühne - getragen wurde das alles von einer großen Vision und den noch viel größeren Herzen der Menschen.

Es gibt noch viele Momente die mir ewig im Gefängnis bleiben werden. Etwa die Orga-Besprechungen bei der Produktionsleitung – zunächst am Kamin, später bei Sonnenuntergang auf der Terrasse; Gespräche mit Menschen, die sich seit Jahrzehnten selbst nicht viel zugetraut haben und die durch die Bühne erlebt haben, wieviel sie können; Bühnenbildbau bis tief in die Nacht; Kostüm-Entwürfe und Gegenentwürfe; lautes Lachen, grottenschiefes Singen; völlig verpasste Probenauftritte; eine Weltkugel, die nicht dort hängen bleiben wollte, wo sie hin sollte; ein kleines "Äffchen" als Stückanfang; einen sehr witzigen Zirkusdirektor mit echtem Improvisationstalent bis hin zu drei so tollen Vorstellungen, die mich ich an jedem Abend Tränen der Rührung vergießen haben lassen.

Letztlich gäbe es noch 1001 Geschichten, die ich über dieses großartige Projekt erzählen könnte...
Ich bin immer noch bewegt und berührt von meinen wunderbaren Freunden der Gemeinde und sage DANKE für alles!

verfasst von Heike Werntgen am 11. Jan. 2014