Keine Angst vorm Krankenhaus

Keine Angst vorm Krankenhaus

Keine Angst vorm Krankenhaus

Die Theaterpädagogin Rahel Kurpat inszeniert mit Auszubildenden der Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflege der Lingener Akademie St.Franziskus ein Stück für Kinder und gegen die Angst vor dem Krankenhaus. Das Theaterstück ist Teil des Projektes Kinderlachen hilft Heilen.

Mit dem Stück Keine Angst vorm Krankenhaus realisiert Rahel Kurpat ein Teilprojekt des Kooperationsprojektes Kinderlachen hilft Heilen. Diese Kooperation besteht zwischen der Hochschule Osnabrück, dem Institut für Theaterpädagogik und der Kinder- und Jugendklinik des St. Bonifatius Hospitals Lingen (Ems), sowie der Akademie St. Franziskus in Lingen (Ems) und der Agentur B:Plan.

Bei dem Stück Keine Angst vorm Krankenhaus handelt es sich um ein 40-minütiges Mitmach-Theaterstück. "Für Kinder ist es besonders wichtig, dass sie nicht nur zuhören und zugucken, sondern auch mitmachen können. Diese Möglichkeit gibt es bei diesem Stück reichlich.", betont Rahel Kupat. Das Publikum wird mit einbezogen, gefragt und darf Ideen und Kenntnisse auf verschiedene Art und Weise mit einbringen. Zusätzlich darf es für die OP ebenfalls Masken aufziehen oder auf der Bühne assistieren. Durch solche Möglichkeiten haben Kinder hinterher nicht nur das Gefühl etwas gesehen und gehört zu haben, sondern wirklich etwas erlebt zu haben.

Keine Angst vorm Krankenhaus - Der Plot

Das Stück handelt von dem Mädchen Emma, das sich bei einem Sturz mit dem Roller den Arm und den Kopf verletzt hat und nun von seiner Mutter ins Krankenhaus gebracht wird. Emma setzt sich mit den typischen Fragen auseinander, die sich Kinder stellen, wenn sie in eine solche Situation geraten: Was werden die Ärzte mit mir machen? Muss ich eine Spritze bekommen? Tut es eigentlich weh, wenn die Ärzte ein Foto von meinem Knochen machen? Und viele Fragen mehr. Im Krankenhaus trifft sie die sprechende Eule Boni, die bestens über alles Bescheid weiß, was mit Kranksein, Gesundwerden und dem Krankenhaus zu tun hat. Zu Anfang erklärt Boni Emma die wichtigsten Untersuchungen und einige Leute, die den beiden im Krankenhaus begegnen: Ärzte, Krankenschwestern, Sekretärinnen und Reinigungskräfte. Außerdem werden auch die Fragen, warum alles so weiß ist und woher die komischen Gerüche kommen, geklärt und das Geheimnis der weißen Arztkleidung gelüftet. Die Untersuchung durch die nette Ärztin geht schnell und die Krankenschwester, die das Röntgen und Gipsen übernimmt, erklärt Emma alles, was sie wissen will. Emma muss über Nacht bleiben und teilt sich ein Zimmer mit dem Mädchen Lisa. Dieser wurde vor ein paar Tagen der Blinddarm entfernt und als die beiden Mädchen wissen wollen, wie genau so eine Operation funktioniert, erklärt Boni ihnen auch das, während sie es an einem Teddy bis ins Detail demonstriert. Als Emma auch die Nacht im Krankenhaus gut überstanden hat und am nächsten Tag die Visite kommt und der Arzt sie nach Hause entlässt, hat sie Lisa schon als neue Freundin gefunden, die sie am nächsten Tag auf jeden Fall besuchen will.

Interview mit Rahel Kurpat

TOP: Rahel, warum wolltest du ein Stück zum Thema "Keine Angst vorm Krankenhaus" machen?

Rahel Kurpat: Psychologisch gesehen ist Angst eine Alarmreaktion auf steigende Unsicherheit. Das bedeutet, dass Angst gemindert werden kann, wenn Unsicherheiten minimiert werden. Im Kontext zu Keine Angst vor dem Krankenhaus ist das sehr gut machbar. Die kindliche Angst vor dem Krankenhaus besteht aus folgenden Aspekten: Angst vor Schmerzen, vor Unbekanntem, vor Verlust der Normalität und dem Alleine-sein. Die Angst vor Schmerzen kann einem Kind nicht genommen werden, da es jedem Kind klar sein sollte, dass Schmerzen auftreten können und dieses Auftreten zu leugnen wäre nicht richtig. Für die Wahrung der Normalität im Krankenhausalltag sind eher die Eltern zuständig. Aber die anderen beiden Punkte (Angst vor Unbekanntem und dem Alleine-sein) können durcheine altersgerechte Aufklärung gemindert werden. In dem Theaterstück werden der Krankenhausalltag und verschiedene Untersuchungen gezeigt und erklärt, das Personal vorgestellt und vor allem brennende Kinderfragen z.B. nach Gerüchen und Geräuschen geklärt. Zudem wird gezeigt, dass im Krankenhaus niemand alleine sein muss. Desweiteren will das Stück ein positives Bild von einem Krankenhaus und dem Pflegepersonal vermitteln. Denn Orte, an denen Menschen etwas Schönes erlebt haben, bleiben ihnen in positiver Erinnerung. Dadurch hat man in diesem Fall die Möglichkeit ein schönes Erlebnis im Krankenhaus zu bieten. Die Hauptperson Emma lernt Ärzte und Pflegepersonal kennen und mögen, wodurch auch die Kinder ihre Skepsis und Angst vor den weißen Kitteln verlieren können. Das Ziel der Produktion ist also im Prinzip die Linderung von Ängsten durch Aufklärung.

TOP: Das Stück wird von Pflegepersonal gespielt. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Rahel Kurpat: Mir ist es besonders wichtig, dass das Stück von Personen gespielt wird, die sich mit dem Thema auskennen und in diesem Bereich auch schon Erfahrungen gesammelt haben. Also inszenierte ich in diesem Stück innerhalb ihrer Ausbildung der Gesundheits- und(Kinder-) Krankenpflege zehn junge Auszubildende der Akademie St. Franziskus in Lingen/Ems.

TOP: Uns interessiert auch der Verlauf des Projekts. Wie hast du den Probenprozess gestaltet?

Rahel Kurpat: Bei der Gruppe an Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflegerinnen handelt es sich um eine Laien-Schauspielgruppe und der Großteil hatte mit Theater und Schauspiel noch kaum Erfahrungen gemacht. Aus diesem Grund legte ich den Schwerpunkt in den Anfangsproben auf Gruppenbildung und Schauspielgrundlagen (Statusarbeit, Szenenentwicklung, Improvisation, Rollenentwicklung, Stimm- und Sprechtechnik, Emotionsarbeit und Körperausdruck). Zudem beschäftigten wir uns mit den Themen (kindliche) Angst und Krankenhaus. Parallel bereitete ich mit der Gruppe zusammen die Proben vor. Es wurden Gruppen gebildet, die jeweils für etwas anderes verantwortlich waren: Requisiten, Kostüme oder Bühnenbild. Jede Gruppe musste sich auf eine andere Art mit dem Theaterstück auseinander setzen, als es in den Schauspielproben der Fall war. Nachdem die Gruppe die Grundlagen des Schauspiels durchgenommen und dasTheaterstück Keine Angst vorm Krankenhaus kennengelernt hatte und nachdem Requisiten,Kostüme und Bühnenbild zu großen Teilen vorhanden waren, wurden innerhalb der Gruppe die Rollen verteilt und der Text die ersten Male gelesen. Ab dann entwickelten die angehenden Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger die Szenen selbstständig in kleinen Gruppen. Selbstverständlich war ich jederzeit für Fragen und Hilfe ansprechbar. Innerhalb von vier Einheiten à zwei Schulstunden stellten dieSpielerinnen alle acht Szenen. Am Ende jeder Einheit konnten zwei Szenen vor dem Rest der Gruppe präsentiert werden. Die zuschauenden Spielerinnen reflektierten und kritisierten das Gesehene nach vorher festgelegten Kriterien, wodurch die Szenen weiterentwickelt werden konnten. Nach diesen vier Einheiten arbeiteten wir unter meine rRegie an der Zusammenführung und der Optimierung der Szenen, bis nach weiteren acht Einheiten à zwei Schulstunden das Endergebnis feststand. Bei der Feinarbeit am Ende des Probenprozesses waren mir außer, dass die Spieler sicher im Spiel wurden, eine gute Rollenarbeit und die daraus folgende Rollenidentifikation besonders wichtig. Um diese Sicherheit und Identifikation zu erreichen, arbeitete ich mit weiteren theaterpädagogischen Methoden. Zum Beispiel spielte die Gruppe das Stück in zehn, fünf und zwei statt in 40 Minuten und zusätzlich in verschiedenen Genres oder wir machten erneute Status- und Emotionsarbeit in Rolle.

TOP: Ein Theaterprojekt während der Ausbildung ist sicher eine große Bereicherung für deine Spieler. Glaubst du, dass das Projekt einen Mehrwert für den Beruf der Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflege hat?

Rahel Kurpat:In einer ausgiebigen Reflexion der Arbeit der angehenden Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger in diesem Projekt, bemerkte ich, dass ihnen das Projekt nicht nur in der Hinsicht etwas brachte, dass sie sich mit kindlichen Ängsten und damit, wie sich ein Kind im Krankenhaus fühlt, auseinandersetzen mussten. Theater gibt außerdem die Möglichkeit sich der Kompetenzen, welche für die Berufe in der Krankenpflege benötigt werden, bewusst zu werden und unterstützend zu trainieren: Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit spielen nicht nur im Theater, sondern auch im Krankenhaus eine große Rolle. Zudem kam, dass die Spielerinnen durch ihren Auftritt auf der Bühne eine große Menge Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein mitnehmen konnten. Das ständige Reflektieren und konstruktive Kritisieren von Szenen und Spielweisen trainierte sich in diesen Bereichen und ließ sie diese mit der Zeit einfacher annehmen. Während des Probenprozesses konnten einige Kompetenzen der Spielerinnen, wie ein gesundes Körperempfinden und eine gesunde Körperwahrnehmung unterstützt werden, denn nur, wer diese hat, kann sie auch weitergeben. Durch ausgiebige Rollenarbeit trainierten die Spielerinnen ihre Empathie und durch kommunikative Übungen ihre Fähigkeit mit Menschen Kontakt aufzunehmen.

TOP: Vielen Dank Rahel. TOP würde sich freuen, weitere Projekte von dir dokumentieren zu dürfen.

verfasst von Lu Reichel am 20. Jan. 2013