Kinder spielen für Kinder

Kinder spielen für Kinder

Kinder spielen für Kinder

Im diesjährigen Sommer fanden am Jungen Ensemble Stuttgart erstmalig die Grundschul-Theatertage „miniDrama“ statt. Bei diesem dreitägigen Festival trafen über 200 Grundschüler aufeinander, um an Theaterworkshops teilzunehmen, sich gegenseitig ihre Arbeiten zu präsentieren sowie gemeinsam zu essen und zu spielen.

Der Ablaufplan verlangte den Kindern, Lehrern und uns Theaterpädagogen vom JES einen langen Atem ab. Die Tage starteten mit Workshops, in denen die Kinder miteinander in Kontakt treten und sich kennenlernen konnten. Die Workshops beschäftigten sich inhaltlich mit den Themen, der Stücke, die am jeweiligen Tag gezeigt werden sollten. Nach der 90-minütigen Arbeit, zeigten sich die Schüler in kurzen Präsentationen, was sie in den verschiedenen Workshops fabriziert hatten.


Anschließend gingen die Vorstellungen los. An jedem Tag wurden drei Theaterstücke gezeigt. Zwischendurch gab es immer ein großes Mittagessen inklusive einer längeren Pause um Springseil zu hüpfen oder den Bereich vorm Theater mit Kreidezeichnungen zu schmücken.

Die neun Theatergruppen zeigten Arbeiten unterschiedlichster Couleur. Wir sahen Märchen, Musicals, Balletttänzerinnen, Traumforscher und Superheldinnen. Ab circa 15:30 Uhr wurden die Kinder mit einem großen Sack voller neuer Erfahrungen in den verdienten freien Nachmittag entlassen.

Als Theaterpädagogin, die dieses Festival mit organisieren durfte, war ich überrascht und gleichsam begeistert über das besondere Flair, welches während „miniDrama“ im JES herrschte. Es war ein Vergnügen, zu beobachten, wie diese riesengroße Horde Kinder, die Räumlichkeiten des Theaters einnahmen und sich schon nach dem ersten Tag völlig routiniert im ganzen Haus bewegten. Die Kinder spielten schon bald nicht mehr ausschließlich mit den eigenen Klassenkameraden sondern öffneten sich für anderen Kinder.

Doch was mich persönlich besonders beeindruckte, war die Ausdauer und Aufmerksamkeit, welche die zuschauenden Kindern, den Gruppen auf der Bühne schenkten.
Ich beobachtete Kinder, die sich von den Geschichten, die sich auf der Bühne abspielten, packen ließen und wie sie staunten über die unterschiedlichen Arbeitsweisen.

Oft beobachte ich in „normalen“ Theatervorstellungen, wie Kinder im Publikum unruhig werden, anfangen zu quatschen oder laut zu kommentieren. Doch bei diesen Theatertagen war eine, wie ich fand, spezielle Aufmerksamkeit im Zuschauerraum.
Ich empfand es als eine ganz spezielle Qualität, dass Kinder für andere, ihnen unbekannte, Kinder spielten. Die Spieler auf der Bühne waren ähnlich alt wie sie; mit ihnen hatten sie bereits Mittag gegessen und Gummihopse gespielt. Ihnen ihre Aufmerksamkeit zu schenken, schien leicht zu fallen. Auch die Tatsache, dass allen Zuschauern bewusst war, wie es ist, auf der Bühne zu stehen und dem Publikum gefallen zu wollen, war vermutlich ebenfalls ein Faktor, der für die positive Stimmung und für eine hohe Konzentration während der Aufführungen sorgte.

Natürlich war nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Selbstverständlich waren die Kinder nicht ausnahmslos fair und rücksichtsvoll untereinander waren (– sie sind ja auch nur Menschen).
Jede Theatergruppe hatte einen Briefkasten. Im Verlauf der drei Tage konnte man den Gruppen Briefe schrieben, was einen gefallen hat und was nicht.
So haben sich viele Gruppen sofort selbst Lobeshymnen geschrieben („Bestes Theaterstück der Welt!!“) und andere bis ins letzte verrissen („Dumm! Dumm! Dumm!“).
Wenn man diese Extreme aussortierte, kamen jedoch auch tatsächlich gut gemeinte und qualitative Rückmeldungen zutage. Denn irgendwie wussten dann doch viele der Theaterkinder, worauf es so ankommt („Ihr ward toll, aber leider habt ihr zu leise gesprochen!“).

Die Grundschul-Theatergruppe, die ich ein Schuljahr leiten durfte und die bei „miniDrama“ Premiere feierte, hatte beispielsweise schon immer ein Problem damit laut und deutlich zu sprechen. Trotz zahlreicher Übungen fiel sprechen einigen Spielerinnen nach wie vor sehr schwer. Jede Probe betete ich die Aufforderung „Lauter sprechen!“ runter .
Die Tatsache, dass nun fremdes Publikum das Gleiche aufgefallen ist, machte etwas mit der Gruppe. Der Lautersprechen-Groschen war in dem Moment, wo wir die Feedback-Briefe lasen, ganz hörbar gefallen. In den letzten Stunden, die ich noch mit der Gruppe nach „miniDrama“ hatte, waren die Kinder sehr um eine gute Aussprache bemüht – mehr als je zuvor.
Es schien, als hätten sie durch dieses verschriftlichte Feedback, nun erst verstanden, weswegen wir immer daran gearbeitet hatten, laut und deutlich zu sprechen. Vielleicht schenkten sie anderen Kindern auch einfach mehr Glauben.

Ich habe während „miniDrama“ eine ganz große Qualität in dem Prinzip 'Kinder spielen für Kinder' entdeckt und habe große Lust bekommen, dies in meiner Arbeit intensiver zu integrieren.

Beispielsweise wäre es vielleicht eine Idee wert, wenn sich Schul-Theatergruppen vernetzen würden. Wenn zwei oder drei Schulen in regelmäßigen Abständen Gastspiele in den jeweils anderen Schulen machen würden.
Also rufe ich an dieser Stelle auf: Theatergruppen aller Schulen vereinigt Euch! Besucht euch, zeigt einander, wie ihr arbeitet und profitiert davon in eurer eigenen Theaterarbeit!

Und schreibt darüber, ob und wie es funktioniert hat!

Fotos: Tobias Metz

TOP ruft auf: Verbündet euch! In unserem Forum ist genügend Platz: Solltet ihr Lust haben, euch mit anderen Theatergruppen zu vernetzten, dann schreibt es in unser Forum! Vielleicht schaffen wir es, dass TOP dadurch zur Kontaktbörse wird :-)
Oben einloggen → den Link zum Forum folgen → TOPic des Monats klicken → drauflos-schreiben!

verfasst von Julika Tulipa am 04. Oct. 2013