Liebe im Wandel der Zeit - Teil 2

Liebe im Wandel der Zeit - Teil 2

Liebe im Wandel der Zeit - Teil 2

TOP fragt: Hallo Michaela, stell dich doch mal vor: Wer bist du und wie alt bist du?

Ich heiße Michaela, bin Dipl. Sozialarbeiterin, komme aus Lingen und bin 29 Jahre alt.

TOP fragt: Hast du vor dem Projekt „Liebe im Wandel der Zeit“ bereits mit Theater zu tun gehabt?

Ja das habe ich. Zum einen hatte ich dies als Unterrichtsfach, natürlich in abgespeckter Form, während meiner Ausbildung zur Erzieherin. Hier durfte ich sogar selbst ein Projekt durchführen. Und ich habe 2006/2007 schon einmal bei einer Abschlussinszenierung eines Theaterpädagogik-Studenten mitgewirkt.

TOP fragt: Wie bist du auf das Projekt von Jana Standop aufmerksam geworden?

Das war wirklich ein Zufall, durch einen Artikel in der Lingener Tagespost. „Darsteller gesucht“. Irgendwie hat mich das direkt angesprochen.
In diesem Artikel wurde das Thema beschrieben, das es ein Mehrgenerationen-Projekt ist und dass es sich um eine Abschlussarbeit einer - damals noch - angehenden Theaterpädagogin handelt.

TOP fragt: Hattest du Zweifel, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die nicht im gleichen Alter sind, wie du?

Überhaupt nicht, ehrlich gesagt habe ich mir darüber gar keine Gedanken gemacht.

TOP fragt: Kannst du in einem kurzen Abriss erklären, wie ihr gearbeitet habt?

Ich will es versuchen, es ist ja schon ein Jahr her… Das Thema stand fest – „Liebe im Wandel der Zeit“ und Jana hatte schon eine genaue Vorstellung davon wie wir ein Stück entwickeln könnten. Und zwar waren alle dazu aufgerufen Ihre eigene Geschichte zum Thema zu schreiben, es wurde jedoch keiner dazu verpflichtet etwas preis zu geben was er oder sie nicht wollte.
Jeder der Lust hatte, konnte eine Geschichte aus seinem/ ihrem Leben zu Papier bringen. Diese Geschichten wurden dann von der jeweils anderen Generation nachgespielt.



Jana gab uns sozusagen ein Gerüst, einen Ablauf und wir konnten es mit unseren Geschichten füllen. Es war wirklich so, dass alle sich beteiligen durften und jede Idee erst einmal angenommen wurde. Gemeinsam haben wird so das Stück entwickelt was wir dann gespielt haben.
Natürlich hat Jana hier und da das „Zepter“ in die Hand genommen, aber wir konnten darauf vertrauen, dass jede der kleinen Geschichten gleich wichtig und mit dem gleichen Maß an Ernsthaftigkeit und Respekt voreinander umgesetzt werden würde.

TOP fragt: Wie würdest du die Stimmung innerhalb der Gruppe beschreiben? Welche Veränderungen hast du im Laufe der gemeinsamen Zeit wahrgenommen?

Ach, die Stimmung... es war eine gute Stimmung – von Beginn an! Ich kann mich noch gut an das erste Treffen erinnern und an einer der ersten Aufgaben. Jana bat uns in Zweiergruppen zusammen zu finden und den Schlüsselbund heraus zu nehmen. Wir sollten unserem Gegenüber etwas über uns berichten anhand unseres Schlüssels und dies dann der Gruppe vorstellen.
Okay?! Dachte ich, aber es ist wirklich erstaunlich, was wir voneinander mitbekamen UND, dass es mir immer noch präsent ist.

Aber zurück zur Frage: Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass wir zu einer super Gruppe zusammengefunden haben. Ich kann dafür gar nicht die richtigen Worte finden. Es ist so, dass ich mich in der Gruppe aufgehoben gefühlt habe. Und was für eine gute Bindung wir hatten war uns glaub ich gar nicht so klar.
Mir auch nicht, erst später merkte ich es, als unser ältester Teilnehmer verstarb. Es fand noch, am selben Tag an dem die Todesanzeige in der Tagespost war, ein Treffen statt. Mir stehen jetzt noch die Tränen in den Augen wenn ich daran zurück denke.
Ich meine, das Projekt war schon längst beendet und dennoch saßen wir beisammen und schieben den Hinterbliebenen ein paar Zeilen.

TOP fragt: Gab es auch mal Unmut in der Gruppe? Über was für Schwierigkeiten seid ihr gestolpert?

Naja, so richtigen Unmut habe ich jetzt nicht mitbekommen. Es gab da eine Situation an die ich mich erinnere. Da ging es um Erfahrungen und zwei Teilnehmerinnen. Genaueres weiß ich nicht, es wurde nicht dramatisiert. Jana hat mit beiden gesprochen und dann war die Sache geklärt.
Ansonsten ist es schon so gewesen, dass die älteren Teilnehmer nicht mehr so viel Aktion benötigten wie die jüngeren. Den älteren wurde es hier und da mal zu laut und die jüngeren hätten hier und da mal gerne mehr „aufgedreht“.
Wir haben uns aber arrangiert und sind Kompromisse eingegangen. Das funktionierte so nebenbei und musste nicht großartig thematisiert werden.
Wie gesagt wir sind sehr respektvoll miteinander umgegangen.

TOP fragt: Was war dein persönliches Highlight bei dem Projekt?

Die Premiere! Ganz klar. So ein schlimmes Lampenfieber hatte ich noch nie! Und dann das köstliche Kribbeln im Bauch. Ich habe mich noch lange so beflügelt gefühlt. Es gab viele Dinge, aber dieser erste Abend auf der Bühne - einfach klasse!

Das ist übrigens immer noch das, worüber wir uns am meisten austauschen wenn wir uns treffen. All die Kleinigkeiten, die uns damals wie riesen Patzer vorkamen und uns heute zum schmunzeln bringen.


TOP fragt: Was würdest du sagen, ist die Qualität an generationsübergreifendem Theater?

Man bekommt viel von einander mit. Es entsteht ja auch ein privater Austausch untereinander. Das ist so bereichernd, von einander zu erfahren was gerade los ist, sich helfen, Ratschläge geben usw. Und ich glaube auch, dass man respektvoller wird und den anderen mehr zu schätzen weiß. Es gibt halt Werte und Normen die von Generation zu Generation unterschiedlich sind und so ggf. weigergegeben werden können.

TOP fragt: Würdest du wieder in eine so bunt gemischte Gruppe einsteigen?

Ja, und das bin ich auch schon.

TOP: Das ist ja super! Dann viel Spaß im neuen Projekt und herzlichen Dank für deine Antworten!

verfasst von Michaela Beel am 14. Dec. 2013