Train the Trainer

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Train the Trainer

Internationales Weiterbildungsprojekt mit der Organisation In Movement – Art for Social Change (Kampala, Uganda) und den Theaterpädagogen Frederic Lilje (Junges Ensemble Stuttgart) und Cindy Jänicke (Zürcher Hochschule der Künste). Das Train the Trainer Projekt wurde von der Datio Stiftung unterstützt.

Die Begegnung:

12 ugandische Künstler aus den Bereichen Musik, Theater, Zirkuskunst, Kreatives Schreiben, Tanz und Bildende Kunst, die mit Kindern zwischen acht und sechzehn Jahren arbeiten, treffen auf zwei Theaterschaffende aus Deutschland und der Schweiz. Verschiedene Kulturen treffen aufeinander. Verschiedene Kunstgeschichten, Künstlerbiografien und Kunstpraxen stellen sich vor. Und verschiedene Ansätze von Kunstvermittlung und kultureller Bildung werden zur Ausgangslage für diese Begegnung. In der Schweiz und in Deutschland erleben kulturelle Bildung und Kunstvermittlung gerade eine Hochkonjunktur und gewinnen an Wichtigkeit und Beachtung. Theaterpädagogen arbeiten an Schulen, Institutionen wie Opernhäuser, Theater, Museen und Musikschulen öffnen ihre Tore und laden SchülerInnen und LehrerInnen ein. Oft suchen Partner aus formeller Bildung und außerschulischen Institutionen gemeinsam nach Wegen der Verknüpfung ihrer Arbeit. Hochschulen wie die Zürcher Hochschule der Künste forschen seit langem in Bereichen der Kunstvermittlung. Die professionelle Ausbildung von Kunstvermittlern in allen Kunstbereichen grenzt sich ab von der Ausbildung der Künstler. Kunst- und Kulturvermittlung als Teil kultureller Bildungsangebote von Kulturinstitutionen gehören nicht mehr nur zum guten Ton sondern sind immer selbstverständlicher in der künstlerischen Planung eines Hauses.

Kunst und Pädagogik zu verbinden ist auch in Uganda weit verbreitet. Viele Projekte ermöglichen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu einer Ausbildung in den Künsten und das Kennenlernen unterschiedlichster Kunstformen. Musik, Tanz und Gesang als Teil traditioneller Wurzeln kommen an vielen Schulen in Form von Wettbewerben vor, häufig steht das Gewinnen über dem Lerneffekt. Im Bereich der nichtformellen Bildung neben der Schule finden sich viele Projekte, in denen professionelle Künstler arbeiten und versuchen, das Individuelle eines Kindes durch die Auseinandersetzung mit Kunst zu fördern. Die Ausbildung von professionellen Kunstvermittlern gibt es aber nicht. An der Makerere Universität in Kampala gibt es die Studiengänge Tanz, Musik und Darstellende Kunst, aber eine Ausbildung von Regisseuren, Choreographen oder Kunstvermittlern gibt es nicht. Trotzdem existiert und entwickelt sich einen spezifische Form von Kunstvermittlung aus der künstlerischen Praxis heraus. Man nutzt seine Kunstgattung und wendet sie in der Arbeit mit Kindern an.

Das Train the Trainer Projekt ermöglicht die Begegnung von diesen unterschiedlichen Formen der Kunstvermittlung. In dieser ersten Pilotphase ging es vor allem darum, die unterschiedlichen Arbeitsweisen kennenzulernen. Es ging darum, die eigene Arbeit, die Methoden und die Formen, zu reflektieren und im Austausch zu erkunden. Auf einer ganz persönlichen Ebene ging es um die individuelle Arbeit eines jeden Beteiligten. Wie sehe ich meine Arbeit als Kunstvermittler? Woher kommen meine Methoden? Was sind meine Ziele in meiner Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen? Wie strukturiere ich meine Lektionen? Woher kommt meine Inspiration? Wo erkenne ich Schwierigkeiten und was sind meine persönlichen Erfahrungen und Lösungen?

Diese Fragen waren Ausgangslage für die ersten zwei Wochen des Trainings und sind so individuell und gleichzeitig allgemeingültig, dass sie für alle Beteiligten zählen. Eine Begegnung von professionellen Kunstvermittlern auf Augenhöhe war gewährleistet.

Train the Trainer - Bild 1

Die gemeinsame Arbeit:

Der Workshop an den Tagen Montag bis Donnerstag war aufgeteilt in drei Einheiten. Jeweils drei Facilitators (die unterrichtenden Künstler) aus verschiedenen Kunstsparten von In Movement und Cindy Jänicke und Frederic Lilje nahmen teil. Jeder Workshoptag begann mit einem gemeinsamen Mittagessen der fünf Teilnehmer des Tages.

Die erste Einheit war von 13.30 Uhr bis 16.00 Uhr und war inhaltlich bestimmt von den Vorbereitungen auf die an diesem Tag folgende Lektion. Außerdem ging es grundsätzlich um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Verschiedene Fragen zur Biographie als Künstler wurden beantwortet und ermöglichten allen Beteiligten sich kennen zu lernen. In einem Rückblick hat jeder seine Arbeit als Kunstvermittler im letzten halben Jahr vorgestellt und seine persönlichen Hochs und Tiefs aufgezeigt. Im Hinblick auf die Gruppe von Kindern, mit denen man gerade hauptsächlich arbeitet, wurde eine Graphik erstellt, aufgrund derer jeder seine Position als Lehrperson reflektieren konnte. Anhand der konkret geplanten Stunde für den Tag, wurden Fragen nach der Vorbereitung, der Inspiration, dem Stundenaufbau, wie dem Stundenziel besprochen.

Train the Trainer - Bild 3

Die zweite Einheit bestand aus der zweistündigen Lektion mit den Kindern von 16.00 bis 18.00 Uhr. Jeden Tag kommen 45 Kinder aus den Partnerinstitutionen, meist Kinderheime, und teilen sich in drei Gruppen á 15 Kinder auf. Drei Facilitators arbeiten also immer parallel mit 15 Kindern. Cindy Jänicke und Frederic Lilje haben gemeinsam mit jedem Facilitator in der Vorbereitungseinheit ein Beobachtungsfokus erarbeitet und unter diesem Fokus als Beobachter an der Lektion teilgenommen. Beide rotierten innerhalb der zwei Stunden, sodass jeder einen Eindruck von allen drei Facilitators bekam. Klare Vereinbarung für diesen Teil war, dass die beiden Beobachter die Stunde nicht beurteilten oder evaluierten. Der Auftrag war eine Beobachtung eines gemeinsam festgelegten Fokus, aufgrund dessen eine bestimmte Qualität besprochen werden konnte und in der letzten Einheit gemeinsam reflektiert werden konnte.

Die dritte Einheit war die gemeinsame Reflexion und dauerte eine Stunde von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Die Beobachter schilderten ihre subjektiven Eindrücke, die dann als Ausgangspunkt für die gemeinsame Reflexion genutzt werden konnten. Welche Themen aus der ersten Einheit wurden anders wahrgenommen? Waren andere Aufmerksamkeitspunkte zu beobachten? Wie hat mein Stundenaufbau funktioniert? Wo ergaben sich Fragen oder Ideen?

Alle fünf Beteiligten konnten nach positiven und negativen Verläufen suchen, diese untersuchen und gemeinsam Lösungsvorschläge für konkrete Fragestellungen suchen. Klare Vereinbarung für diesen Teil war, dass die Beobachter lediglich ihre subjektiven Eindrücke schilderten, die dann zum gemeinsame Gesprächseinstieg dienten und keine Beurteilung der Qualität der Stunden oder der Facilitators waren.

Train the Trainer - Bild 4

Am letzten Tag der Woche gab es einen gemeinsamen Workshop mit allen zwölf Facilitators. Da sie an den Wochenenden auch selbst in Team-Teaching-Settings unterrichten, sollten die Ergebnisse der Woche und das Team-Teaching des Wochenendes Platz finden. Der Vormittag bestand aus einem Methodeninput. Inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der Arbeit im Team und dem Anleiten als Partner aus verschiedenen Kunstdisziplinen.

In der zweiten Woche wurden die methodischen Überlegungen praktisch umgesetzt. Die Facilitators des entsprechenden Tages besprachen ihre Stundenplanung mit Cindy Jänicke und Frederic Lilje und entwarfen gemeinsam Team-Teaching Situationen. Die jeweiligen Kompetenzen konnten sich so ergänzen und verschiedenen Arbeitsweisen konnten in der Praxis mit den Kindern angewendet werden und im Nachhinein auf ihre Wirksamkeit untersucht werden. In der zweiten Woche war ein Austausch zwischen allen Beteiligten verstärkt möglich, da die Grenzen zwischen den Projektinitiatoren und den Facilitators weitestgehend aufgehoben waren und man tatsächlich ein Team war. Die gemeinsame Arbeit entstand aus einer gemeinsamen Vorbereitung zweier Professioneller in ihren Bereichen.

Eine große gemeinsame Auswertung am letzten Tag rundete die zweiwöchige Zusammenarbeit ab und lenkte den Blick auf die Zukunft. Wer hat wie von den zwei Wochen profitiert? Welche Teile und Formen waren sinnvoll? Wie kann eine Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?

Train the Trainer - Bild 5

Der Ablauf: Zweiwöchiger Workshop vom 16.07.2012 – 28.07.2012

1. Woche:

Montag – Donnerstag: 4 Stunden Workshop mit jeweils den drei an dem Tag unterrichtenden Künstlern, also immer im Team von 5 Personen. Davon 3 Stunden Workshop und Vorbereitung, 2 Stunden Unterricht mit den teilnehmenden Kindern von In Movement (Cindy und Frederic als Beobachter), 1 Stunde Nachbereitung und Feedback.
Inhalt: Wie arbeite ich als Künstler? Wie unterrichte ich als Künstler? Was sind Besonderheiten beim Arbeiten mit Kindern? Wie bereite ich mein(e) Stunde/Lektion/Semester vor? Kennenlernen von unterschiedlichen Ansätzen.

Freitag: Alle 12 Künstler gemeinsam, Auswertung der Woche, Vorstellung und Ausprobieren verschiedener Methoden, Andenken von Team-Teaching Methoden für die zweite Woche

2. Woche:

Montag – Donnerstag: 4 Stunden Workshop wie in der ersten Woche. Inhalt: Fokus auf Co-Teaching und Team-Teaching Settings. Gemeinsames Andenken von Unterrichtsmethoden. Gemeinsames unterrichten. Erkennen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten.

Freitag: Alle 12 Künstler gemeinsam, Auswertung der Woche, Methoden-Input, Ideen sammeln für eine Fortführung des Train the Trainer Projektes. Wie kann eine Kooperation in der Zukunft aussehen? Wer profitiert wie? Und von wem? Welche Settings sind sinnvoll für die zukünftige oder ähnliche internationale Projektsettings.

Train the Trainer - Bild 2

Im Rückblick:

Das Projekt Train the Trainer war ein Pilotprojekt, das aus langjähriger Erfahrung mit internationalen Projekten und dem engen Kontakt mit der Organisation In Movement entstand. Hauptziel des Projektes war die Begegnung und der Austausch zwischen internationalen Kunstschaffenden und Kunstpädagogen auf Augenhöhe. In der gemeinsamen praktischen Arbeit mit den Kindern wurde dieses Ziel erreicht. Da das Projekt aber von Europa vor allem aus geplant wurde, zwar auf den Erfahrungen von Cindy Jänicke und Frederic Lilje in Uganda und mit verschiedenen Organisationen basierend, war ein Schwerpunkt im Vorfeld die genaue schriftliche Involvierung der Partner. Aufgrund der geographischen Distanz waren nur Absprachen per Telefon oder Internet möglich, die eine wirkliche gemeinsame detaillierte Planung nicht möglich machten. Die Vorbereitungstreffen für eine weitere Zusammenarbeit, müssen in jedem Fall ausführlicher sein. Ein Planungsteam, bestehend aus allen Projektverantwortlichen muss von Anfang an bestehen, dort muss die gemeinsame Arbeit auf Augenhöhe beginnen.

In dieser Form des Trainings wurden vor allem Impulse durch die Partner aus der Schweiz und Deutschland gesetzt. Impulse für eine Selbstevaluation und eine Reflexion der eigenen Methoden. Diese Form der Weiterbildung basiert vor allem auf den Arbeitsweisen mit Studierenden an der Hochschule in Zürich.

Aus dem Feedback der Facilitators ist sichtbar geworden, dass ein großes Interesse am internationalen Austausch vorhanden ist. Für viele stellte das Projekt eine Möglichkeit dar, eigene Methoden zu untersuchen, zu hinterfragen und von außen gespiegelt zu bekommen. Durch den Workshop sei ein Bewusstsein für gute Planung der Stunden und das zielgerichtete Arbeiten entstanden. („Consistance of good practice and proper planning.”). Angestoßen wurde auch die Idee, nicht nur mit externen Partnern in den Austausch zu treten, sondern gegenseitig die Stunden zu besuchen und als Beobachter bei seinen Kollegen zu dienen. („We learn more when we share knowledge with other people.”). Der Austausch mit internationalen Partnern ermögliche, Dinge anders wahrzunehmen und mit anderen in eine Diskussion zu treten. Diese Diskussion geht über eine methodische hinaus und sensibilisiert jeden Beteiligten für seine eigene Umgebung. („Exchange programs as a tool to create awareness of different issues and concerns globally.”)

Train the Trainer - Bild 6

Für die Zukunft:

In der Auswertung ist bei allen Beteiligten der Wunsch entstanden, die Kooperation weiterzuführen und zu vertiefen. Wie auch schon im Text erwähnt, muss eine gleichwertige Zusammenarbeit schon bei der Planung beginnen und dieses erste Projekt dient als gute Basis für weitere Kollaborationen. Der Wunsch eines Teilnehmers (“A training that allows more sharing than receiving.”) weist eine eindeutige Richtung. Neben dem Impulse setzten und der Weiterbildung durch methodischen Input müssen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit Formate entwickelt werden, die vor allem den Austausch fördern. Einen Austausch, dem beide Seiten gleichwertigen Input geben können. Einen Austausch, von dem auch die Initiatoren eines solche Projektes für ihre eigene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen profitieren. Eine Idee ist natürlich ein Gegenbesuch der Ugander nach Europa, um einen Einblick in die kunstpädagogische Arbeit in Deutschland und der Schweiz zu bekommen. („Possibilities of our facilitators visiting your university and experiencing the work with your students and the community.”) Eine andere Idee ist die gemeinsame Arbeit, auch mit dem Ziel einer Performance oder Aufführung.

About a Bird – eine gemeinsame Produktion:

Parallel zum Train the Trainer Projekt mit In Movement, realisierten Cindy Jänicke und Frederic Lilje ein gemeinsames Theaterprojekt mit Israel Kalungi, einem Facilitator von In Movement. Israel Kalungi leitet selbst ein Projekt (Peace Africa Children Ensemble), in dem 23 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 21 Jahren leben. Die Kinder des Projektes erhalten neben der Schule Unterricht in traditionellem Tanz, Gesang und Musik.

Gemeinsam mit drei Studenten der Zürcher Hochschule der Künste und zwei Spielclubmitgliedern aus München probten die Projektleiter drei Wochen lang ein Stück. Das fast dreißigköpfige Ensemble aus drei Ländern und zwei Kontinenten entwickelte gemeinsame ein Stück, basierend auf der Erzählung von Christian Andersen „Die chinesische Nachtigall“. Es entstand ein Stück mit viel Musik, Tanz und Gesang. Auf Englisch, Deutsch und Luganda. Die deutschen und schweizer Jugendlichen erhielten Tanztraining in traditionellen ugandischen Tänzen, geleitet von Jugendlichen vom Peace Africa Children Ensemble. Die Studenten der ZHdK übernahmen szenische Proben mit einzelnen Gruppen oder unterstützten die Kinder beim Lernen der englischen Texte. Künstlerische Entscheidungen wurden immer im Team getroffen und am Ende standen alle gemeinsam auf der Bühne. Gezeigt wurde das Ergebnis für Kinder von verschiedenen Organisationen in Kampala, unter anderem für die Kinder und anderen Facilitators von In Movement.

Train the Trainer - Bild 7

Offene Fragen:

Ein Pilotprojekt steht für einen Anfang. Wie geht es also weiter? Im Mittelpunkt muss der Austausch stehen, um eine nachhaltige Wirkung durch ein solches Projekt zu erzielen. Schulungen, die nur einen methodischen Import bedeuten oder Kollaborationen, die einseitig verlaufen, bringen nicht allen Beteiligten die gleichen Chancen und Ergebnisse. Die Weitergabe von konkreten methodischen Inputs muss gezielt eingesetzt werden und hat nur eine Nachhaltigkeit, wenn sie in der Praxis ausprobiert werden.

Austausch heißt eine Begegnung auf Augenhöhe mit gleichgroßem Input und Output für alle Beteiligten. Wer in einem anderen Land, bei einer Partnerorganisation oder nur bei seinem Kollegen zu Gast ist, kann sich in einer neuen Umgebung ausprobieren. Wer Gäste aufnimmt hat die Chance vom anderen Abzuschauen und sich und seine Arbeit zu reflektieren und auszutauschen. Zu einem wirklichen Austauschprojekt gehört der Gegenbesuch der Ugander in Europa.

Der Fokus in Zukunft soll auf der gemeinsamen Arbeit liegen. Die Produktion „About a bird“ ist ein Beispiel, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann. Sehr spannend wäre diese internationale Zusammenarbeit im Hochschulrahmen und im Ausbildungskontext. An der Zürcher Hochschule der Künste bahnt sich, auch durch dieses Projekt inpiriert, ein längerfristiger Austausch zwischen der ZHdK und der Witts University in Johannesburg, Süd Afrika an.

Projekte müssen langfristig und gemeinsam geplant, durchgeführt und evaluiert werden.

Train the Trainer - Bild 8

Teilnehmer:

Planungsteam Uganda:

verfasst von Frederic Lilje am 30. Jan. 2013