Wie mir die Kids auf ihren Geschichten davon rannten

Wie mir die Kids auf ihren Geschichten davon rannten

Wie mir die Kids auf ihren Geschichten davon rannten

Ein Jahr lang habe ich als Erzieherin in dem GBS- Bereich ( Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen) einer Grundschule in Hamburg gearbeitet. Dieses Modell hat feste Strukturen welche den Nachmittag der Kinder genau gliedert. In diesem doch sehr festgelegten Alltag habe ich, zusammen mit den Kindern 'meiner' Gruppe, Projekte versucht zu gestalten. Zusätzlich hatte ich einmal in der Woche für eine Stunde eine Theater-AG, die aus Erst- und Zweitklässlern bestand.

Ich möchte euch nun von einem kurzen aber sehr erinnerungsreichen Projekt dieser Theater-AG schreiben.

Die Gruppe bestand seit wenige Wochen, als ich den Kindern erklärte, dass nicht nur wir als Ganzes, heißt unser Körper und die Stimme, Theater machen können, sondern auch einzelne Körperteile. Da die Kids vorher noch nicht Theater gespielt hatten und viele von ihnen noch nie in einem Theaterstück gewesen waren, konnten sie sich das erst einmal nicht vorstellen.

„Doch, Doch! Ich zeig es euch“, ich zog meine Socken aus und sie taten es mir gleich. Ich bat sie sich nun mit ausgestreckten Beinen zu setzen und sich die Dinger da an den Enden ihrer Beine genau anzuschauen.... mal mit den Zehen wackeln, mal ganz spitz und mal gekrallt. Wir machten noch verschiedene Übungen mit unseren Füßen, bis mich ein Kind fragte wie man denn aber nun Theater mit den Füßen machen könne? Ich legte mich auf den Rücken, so dass alle meine Füße gut sehen konnten, nahm mein Tuch von den Schultern und hielt es in die Luft, dass die Füße sich dahinter verstecken konnten. Langsam kroch ein Fuß hervor und der Zweite schnellte hinterher. Ich wackelte mit dem einen Fuß und der andere verschwand.
So ging es ein paar Minuten. Die Kinder waren voll dabei und kommentierten mein Spiel mit den Füßen. Als mein Fußspiel vorbei war, fragte ich, ob sie eine Geschichte gesehen haben? Es wurde sehr schnell festgestellt, dass die beiden Füße sich geneckt hatten. Sofort wollten die Kinder es auch probieren, und das konnten sie auch. Ich sagte ihnen am Ende der Stunde, sie können sich bis zum Nächsten mal eine kleine Geschichte ausdenken, die sie uns dann mit ihren Füßen zeigen könnten.

In der nächsten Stunde brachte ich Theaterschminke mit, was die Kids total begeisterte. Sie durften sich ihre Füße passend zu ihren Geschichten anmalen. Wir bestaunten die vielen Ideen und jeder sollte sich mit seiner kleinen Geschichte einmal vorstellen.
Es war einfach zauberhaft wie viele tolle kleine Stücke wir sehen konnten. Die Ideen der Kinder waren großartig.
Nachdem nun alle zeigen konnten was sie sich ausgedacht hatten, sollten sie nun mit ihren bemalten Füßen auch die anderen Füße kennen lernen. Da traf eine Zehenfamilie auf ein Fünfarmiges Monster, ein Zebra auf einen Vulkan und so weiter. Die Kinder hatten so viel Spaß, dass wir das Klingeln für die Lernzeit fasst überhört hätten. Nun gab es wenig Zeit uns auch noch die Füße abzuschminken. Ich verteilte ein paar Feuchttücher und die Kinder flitzten auf Ihren Geschichten zu Ihren Gruppen.

Ich hatte etwas Angst dass Eltern kommen würden und sich beschweren würden. Genau das Gegenteil war der Fall, ein paar Eltern kamen zu mir und amüsierten sich über die bemalten Füße und erzählten, dass sie sich die Geschichten zu Hause anschauen mussten.

Für mich war dieses Projekt eine wichtige Erfahrung. Es hat mir gezeigt, dass ich mit kleinen Projekten schon sehr viel bewirken kann, und hat mich in meinem Wissen noch einmal bestärkt, dass es nicht immer zu einer großen Aufführung kommen muss. Jedoch war es sehr wichtig für die Kinder, sich und ihre Ideen zu präsentieren. Nach meinem Studium zur Theaterpädagogin bin ich noch relativ 'neu' im beruflichen Alltag, und ich komme mir selbst noch etwas unsicher vor. In diesem Projekt wurde mir bewusst, dass ich mich auch fallen und mitreißen lassen darf. Was ist eine gute Theaterstunde mit Konzept, in der ich auch das Konzept liegen lassen und die Kinder einfach ihren Ideen und Fantasien freien Raum geben kann? Für mich etwas immer wieder einzigartiges.

Eure Lilli Jaskulla

verfasst von Liane Jaskulke am 23. Oct. 2014