Kinder sind das ehrlichste Publikum

Kinder sind das ehrlichste Publikum

Kinder sind das ehrlichste Publikum

Interview mit Michael Müller - Schauspieler und Sänger

TOP: Hallo Michael, schön dass du dich für ein TOP-Interview zur Verfügung stellst. Wer bist du und was machst du?

Michael Müller: Hallo ihr Lieben!

Ich bin 28 Jahre alt, lebe in München und arbeite seit 6 Jahren als Schauspieler und Sänger.

TOP: Wie bist du zum Theaterspielen gekommen?

Michael Müller: Ich war schon als Kind von Theater und Zirkus fasziniert. Vom Krippenspiel in unserer Gemeinde bis zur Theater-AG der Schule- ich hatte Spaß daran mich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen. Die für mich entscheidenden Erfahrungen sammelte ich am „Koblenzer Jugendtheater" in verschiedenen Produktionen auf und hinter der Bühne. Der Wunsch mein Hobby zum Beruf zu machen wurde immer größer und so begann ich im Sommer 2005 meine Schauspielausbildung.

TOP: Diesen Monat geht es um das Thema "Theater für und mit Kindern". Wie wir schon wissen, hast du viele Erfahrungen als Schauspieler im Bereich Kindertheater. Wie kamst du dazu für Kinder zu spielen?

Michael Müller: Ich mag Kinder sehr. Als ich mich am „Münchner Theater für Kinder" bewarb, stellte sich mir nicht die Frage, ob es das Richtige für mich sei oder ob ich nicht lieber für Erwachsene spielen möchte. Kinder sind das ehrlichste und dankbarste Publikum, das man sich wünschen kann und für ein solches Publikum auf der Bühne zu stehen, sah ich als besondere Herausforderung und als wichtige Aufgabe.

TOP: Kinder nehmen Theater ja oftmals ganz anders wahr als Erwachsene. Welche Erfahrungen hast du als Schauspieler auf der Bühne dabei gemacht? Was ist das Besondere daran für Kinder zu spielen?

Michael Müller: Als Schauspieler möchte ich das Publikum für eine bestimmte Zeit in eine andere Welt entführen. Erwachsene wissen, dass man im Zuschauerraum ruhig sein muss bis das Stück vorbei ist oder man, wenn man sich langweilt, das Theater auch in der Pause verlassen kann. Das wissen Kinder nicht - sie reagieren unmittelbar während der laufenden Vorstellung, sie kommentieren lauthals was sie sehen, fiebern mit den Rollen auf der Bühne mit und wollen Teil des Ganzen sein. Man merkt Kindern an, ob sie wirklich mittfiebern und gespannt sind oder ob sie sich langweilen. Diese unmittelbare Reaktion auf deine Arbeit zu bekommen, ist etwas sehr Besonderes.

TOP: Inwiefern verändert sich die Spielweise, wenn man vor einem sehr jungen Publikum spielt und ist es nicht auch schwierig, wenn die kleinen Zuschauer ständig ins Stück quatschen?

Michael Müller: Die Art des Spielens bleibt für mich immer die Gleiche, auch wenn ich für Erwachsene spiele. Ich bin davon überzeugt, dass man Kinder nicht mit einer überzogenen und unnatürlichen Spielweise gewinnt. Oftmals sind die Rollen in Märchen und Kindergeschichten ja an sich schon sehr übernatürlich, fantastisch und charakteristisch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder sehr gut zwischen wahrhaftiger oder aufgesetzter Emotion zu unterscheiden wissen. Kinder lassen sich nicht hinters Licht führen- sie glauben nur das was sie sehen, was wirklich ist  und wollen nichts Ihrer Fantasie überlassen. Wenn es einem Ensemble gelingt, Kinder zu fesseln und für das Bühnengeschehen zu begeistern, entstehen Zwischenrufe die nicht stören - sondern  großartige Improvisationen zwischen den Rollen und den „kleinen Helfern" auf den Stühlen vor der Bühne. Oft sind Kinderstücke auf diese Interaktion ausgelegt.

TOP: Wie verschafft man sich als Schauspieler einen Zugang zu den Kindern?

Michael Müller: Ich denke dass sich die Kinder mit den Rollen identifizieren und so der Zugang geschaffen wird. Kinder sympathisieren sehr schnell oder lehnen auch sehr schnell ab. Je nach Rolle fällt es leichter oder schwerer, sich beliebt zu machen.

TOP: So ein Theaterbesuch ist ja für die meistens Kinder nichts Alltägliches. Was glaubst du, erleben sie während einer Vorstellung und was nehmen sie mit nach Hause?

Michael Müller: Kinder gehen auf eine spannende Reise im Theater. Sie lernen und entdecken Vieles und bekommen spielerisch wichtige Werte fürs Leben vermittelt. Sie werden Teil der Handlung, halten als Gruppe  zusammen, stellen sich gegen die Bösewichte, lachen und gruseln sich. Ich kann mich heute noch gut an meinen ersten Theaterbesuch erinnern- diese Bilder und Eindrücke vergisst man nie.

TOP: Wie reagieren Kinder emotional auf Theater? Hast du schon eimal ein Kind zum Weinen gebracht während einer Vorstellung? Oder gab es andere Pleiten?

Michael Müller: Es passiert natürlich schon mal, dass sich ein Kind fürchtet und vor Angst weint. Das habe ich allerdings selten erlebt, da die Stückauswahl und die Inszenierung immer sehr altersgerecht war.

TOP: Erzähl mal von einer besonders schönen Vorstellung oder von einem besonderen Moment mit oder vor Kindern im Theater.

Michael Müller: Als ich nach einer Vorstellung vom „Zauberer von Oz" im Löwenkostüm auf ein kleines Mädchen traf, fiel es mir in den Arm und wollte mich nicht mehr loslassen. Irgendwann bemerkte es, dass das Ohr an meiner nicht mehr ganz neuen Löwenperücke geknickt war. Es sah mich mit großen Augen an, streichelte mir durch die Mähne und sagte, ich müsste zum Kleiderarzt damit gehen. Diese leuchtenden Kinderaugen werde ich nie vergessen.

TOP: Was bereitet dir mehr Freude? Das Spielen vor Erwachsenen oder vor Kindern?

Michael Müller: Da kann und will ich mich nicht festlegen. Jedes Publikum hat seinen besonderen Reiz. Ich liebe es auf der Bühne zu stehen und zu spielen- vor jungem oder erwachsenen Publikum.

TOP: Im Kindertheater profitieren die jungen Menschen ja oft von den Erfahrungen der professionellen Schauspieler und Theaterpädagogen. Kannst du dir vorstellen auch mit Kindern gemeinsam auf der Bühne zu stehen oder mit ihnen Theaterstücke zu entwickeln und einem Publikum zu präsentieren?

Michael Müller: Ich hatte bereits das Glück mit Kindern auf der Bühne stehen zu dürfen. Ich spielte zum Beispiel einen protestantischen Pfarrer zur Zeit des dreißigjährigen Krieges. In dieser Rolle hatte ich zwei Töchter und viele Waisenkinder, um die ich mich im Stück kümmerte. Die Energie und die Stimmung im Ensemble war wunderschön. Es war großartig zu sehen, wie ehrlich, offenherzig und unbedarft Kinder an Szenen herangehen, auf der Bühne agieren und berühren. Ich habe gelernt, dass auch wir von den Kindern lernen, denn  manchmal fehlt uns ausgebildeten Darstellern diese Leichtigkeit. Ich finde es immer wieder spannend und wertvoll mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.

TOP: Hast du vor weiterhin für Kinder zu spielen? Was ist dein nächstes Projekt oder auf was für ein Projekt hättest du als nächstes Lust?

Michael Müller: Sicher werde ich weiter für Kinder spielen. Ende des Jahres toure ich mit dem beliebten Weihnachtsmärchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und freue mich auf ein bunt gemischtes Publikum. Wahnsinnig freue ich mich, dass ich im nächsten Jahr die Möglichkeit habe, Jugendliche in einer Musicalproduktion zu begleiten und mit ihnen zu arbeiten.

TOP: Das klingt ja toll. Wir freuen uns mit dir. Micha, vielen Dank dir für das Gespräch und Tschüss. :-)

verfasst von Lu Reichel am 01. Oct. 2013