Spielen für Kinder und mit Kindern

Spielen für Kinder und mit Kindern

Spielen für Kinder und mit Kindern

Interview mit der Schauspielerin und Theaterpädagogin Prisca Maier

TOP: Hallo Prisca, schön dass du dich für ein TOP-Interview zur Verfügung stellst. Wer bist du und was machst du?


Prisca: Ich heiße Prisca Maier und mache seit ca. 15 Jahren aller meistens Theater mit und für Kinder und Jugendliche - kleine Ausflüge in den Abendspielplan und zu diversen Serien bei ARD und ZDF waren interessant, aber haben mich dennoch  immer wieder schnell auf meinen Schwerpunkt zurückkommen lassen.

TOP: Wie bist du zum Theaterspielen gekommen?

Prisca: Wie viele Kollegen auch, habe ich die Theater AG in der Schule immer als aufregendstes und schönstes Fach erlebt und da ich auch in meiner Freizeit viel getanzt und Musik gemacht habe, wollte ich zunächst Musicaldarstellerin werden, habe das dann aber (glücklicherweise) nochmal überdacht und bin so zum Schauspiel gekommen.

TOP: Diesen Monat geht es um das Thema “Kinder, Kinder”. Wie wir schon wissen, hast du viele Erfahrungen als Schauspielerin im Bereich Kindertheater. Wie kamst du dazu für Kinder zu spielen?

Prisca: Mein erstes Engagement hat mich an das Bremer Theater geführt, genauer gesagt ans MoKS, der Kinder- und Jugendtheatersparte. Dort habe ich mich auf Anhieb sehr wohlgefühlt: Ich konnte in dem kleinen Ensemble mitgestalten und mitreden, wenn es um Spielplangestaltung ging, durfte auch Spielclubs leiten und meine Nase in verschiedene Arbeitsbereiche  am Theater stecken. Das hat mir von Anfang an gefallen. Ich bin dort auch gleich 5 Jahre geblieben, was lange ist für ein Erstengagement. Viele Schauspielschulkolleginnen, die an größere Häuser gegangen waren, erzählten nichts Verlockendes.

TOP: Was ist das Besondere daran für Kinder zu spielen?

Prisca: Sie sind immer direkt und bringen viel Energie mit, entweder man kann sie begeistern oder man verliert sie. Da gibt’s wenig dazwischen und das ist eine Herausforderung, die einen niemals Einschlafen lässt beim Theatermachen für ein junges Publikum.

TOP: Du spielst in „Uno an uno“ am Jungen Ensemble Stuttgart auch für die Allerkleinsten – also ab 2 Jahre. Wie unterscheiden sich diese Vorstellungen von anderen Kindervorstellungen?

Prisca: Man muss ihr Vertrauen gewinnen, damit sie bereit sind zu zuschauen, sonst bekommen sie Angst oder wollen sofort gehen. Das erfordert großes Einfühlungsvermögen. Dennoch darf und muss man auch bei sich bleiben und nicht zu "lieb" werden, sonst kriegen die Erwachsenen Zuschauer ohne Kinder die Krise, Spannung muss wohl austariert sein, zu laut und zu nah, zu dunkel oder zu konfliktgeladen sind Reize, die wohlüberlegt eingesetzt sein müssen. Die Kleinen nehmen jede Welle völlig ohne Schranke wahr und auf; sie sind auf gewisse Weise das offenste Publikum, das ich kenne.



TOP: Erzähl mal von einer besonders schönen Vorstellung oder von einem besonderen Moment mit oder vor Kindern im Theater.

Prisca: Gestern habe ich in Rumänien mit "Mama Salz, Papa Pfeffer" gastiert, da sind nach der Vorstellung völlig unerwartet alle Kinder mit Blumen auf uns zugekommen und haben sich mit großen, strahlenden Augen bedankt: Dieser Augenblick ist jetzt, weil eben passiert, ganz vorne dabei, neben vielen andern.

TOP: Du arbeitest ebenfalls als Theaterpädagogin, vor allem in Kindertagesstätten. Wie kam es dazu? Und was genau machst du da?

Prisca: Mir hat der Wechsel von Funktionen und Seiten schon immer etwas gebracht und mich um Perspektiven erweitert, "nur" Schauspielerin finde ich auf Dauer langweilig. Die Arbeit in Kitas ist außerdem eine gute Möglichkeit für mich Familie und Theaterleben unter einen Hut zu bringen, deshalb habe ich nach der Geburt meiner zweiten Tochter begonnen, mein „theaterpädagogisches Standbein“ weiter aufzubauen, da ist die Arbeit an den Kitas zu einem verlässlichen Bestandteil geworden.
In den Kitas arbeiten wir – noch drei weitere Theaterpädagogen am JES und ich - zur Sprachförderung mit einer gemischten Gruppe von etwa 9 -14 Kindern von 5 - 6 Jahren, von denen die meisten einen besonderen Förderbedarf in diesem Bereich mitbringen. Das Projekt umfasst insgesamt 20 Einheiten, 12 davon bilden die Intensivphase, wo für ca. 3 Monate wöchentlich in der Kita gearbeitet wird. Die verbleibenden 8 Einheiten sind Vor- und Nachbereitungsstunden zu den 4 Theaterbesuchen im JES, die die Gruppe anschaut. Außerdem haben die projektbegleitenden Erzieherinnen noch zwei Fortbildungstage am JES. Das Ganze nennt sich dann Kita-Abo-Projekt zur Sprachförderung an städtischen Kitas und wird in Kooperation mit dem Jugendamt an ca. 25 Kitas durchgeführt. Ich selbst betreue 4 davon.



TOP: Aus dem Kindergartenprojekt ist noch ein neues Projekt entsprungen. Du hast ein Theaterstück mit Erzieherinnen entwickelt. Was kannst du uns über dieses Projekt verraten?


Prisca: Es erwuchs aus der Gruppe der Erzieherinnen, die schon über Jahre die Fortbildungstage am JES immer sehr genossen hatten, der Wunsch, diese Arbeit zu intensivieren. Angelika Friedrich, vom Jugendamt zuständig für das Projekt, zeigte sich schnell bereit, darauf zu reagieren und war offen für ein Weiterbildungsangebot, das teilweise privat von den Teilnehmerinnen, teilweise vom Träger finanziert wurde. 13 Erzieherinnen meldeten sich an. Mit dieser Gruppe habe ich an 10 Terminen, teils tageweise  - teils abends, ein Stück zu ihrem Berufsfeld entwickelt, zu ihren Sorgen, Nöten, Erfahrungen. Das hat zu einer zweimaligen Präsentation unseres Ergebnisses „Topjob Erzieherin“ im JES geführt, vor begeistertem Fachpublikum. Alle Teilnehmerinnen bekamen ein Zertifikat über die Weiterbildung und gingen nach eigenen Angaben begeistert und bereichert aus dem Kurs: Im Feedback wurde das besondere dieser Erfahrung unter professionellen Bedingungen so einen Entstehungs- und Aufführungsprozess zu erleben, immer wieder betont. Auch mir selber hat diese Gruppe und die Stückentwicklung viel Spaß gemacht. Eine Fortsetzung des Programms ist geplant.

TOP: Was bereitet dir mehr Freude: Für Kinder zu spielen oder Kinder zum Spielen anzuleiten?

Prisca: Keine Ahnung, ergänzt sich für mich hervorragend, ich bin nah an dieser Altersgruppe dran, das hilft auch beim Spielen und bei der Produktion von Stücken für diese Altersgruppe. Besonders witzig ist es, wenn ich alle Zuschauerkinder aus den Kitas kenne, beispielsweise bei „Merhaba Mama Salz Papa Pfeffer“, was regelmäßig im Kita-Abo gezeigt wird. Da raunt es mir dann schon aus dem Saal entgegen: „Schau mal, da vorne, da ist Prisca“ und sie verfolgen jede meiner Regungen auf das Genaueste und Feinste, das macht richtig Spaß.

TOP: Was sind deine nächsten Projekte?

Prisca: Diese Jahr gibt es ja auch am JES wegen der Jubiläumsspielzeit mehr Freiraum für viele neue Projekte, wo ich in dreien mitwirken werde: Ich freu mich auf das Projekt zum Thema „Sexualität und Liebe“ namens „Heartcore Research“ und auf das „Waldprojekt“ mit Hanneke Pauwe besonders. Die Weiterbildungsgruppe aus dem Kita-Abo-Projekt, geht auch in die zweite Rund. Und dann gibt’s wieder ein neues Jahr in meinen 4 Kitas mit neuen Kindern und neuen Ideen. Also das wird wieder abwechslungsreich und spannend.

TOP: Herzlichen Dank und alle Gute für deine folgenden Projekte!

 

Foto (Portrait, Prisca Maier): Tom Pingel

verfasst von Julika Tulipa am 11. Oct. 2013