Die Kunst Theater zu unterrichten - Teil 1

Die Kunst Theater zu unterrichten - Teil 1

Warum ist es sinnvoll auch von der Kunst zu unterrichten zu sprechen und nicht nur von der Kompetenz zu unterrichten?

Theater ist eine besondere Lernumgebung und kann nicht 1:1 mit anderen Unterrichtsfächern verglichen werden. Warum?
Weil es wesentlich auch um künstlerische Prozesse geht.
In Deutsch, Englisch, Mathe, Geschichte usw. geht es nicht wesentlich um künstlerische Prozesse. Leider auch viel zu wenig in Kunst und Musik. Die Curricula lassen das kaum zu.
Deswegen ist es so wichtig ein gescheites Curriuculum zu haben. Eines das dem Inhalt und der Lernumgebung am gerechtesten wird, sprich: Ein Curriculum das die Lernenden am besten in ihrem Vorhaben unterstützt.

Auch wenn ich hier scheinbar nur über Schule und Unterricht schreibe, so sind auch Theaterpädagogen fast in gleicher Weise betroffen, sofern sie sich im Wesentlichen als TheaterPÄDAGOGEN verstehen und nicht als TheaterKÜNSTLER oder Theatermacher, also als Regisseure (vgl. Habich 2013).
In meinem Forschungsprojekt möchte ich herausfinden, ob mein Konzept einer Didaktik des Darstellenden Spiels bzw. einer Didaktik des Theaters als Modell brauchbar ist im Sinne der angestrebten Ziele. Knapp 100 Theaterlehrer werden ein Jahr lang mit dem „Kursbuch Theater machen. Mittelstufe“ unterrichten. Ihre Erfahrungen werde ich auswerten.

Meine Hoffnung besteht darin dem aktuellen „Bedarf an praxisnahen Modellen“ (Klepacki/ Zirfas 2013, S. 12) entgegen zu kommen und zu zeigen, welche Impulse bei jungen Menschen geeignet erscheinen, sie konstruktive Erfahrungen mit und in ästhetischen Prozessen machen zu lassen. Damit wird Unterricht auch zur Kunst. Ich erwarte von Wissenschaft, dass sie Praxis fundiert. Letztlich ist Wissenschaft auch nur geronnene Praxis. Erfüllt Wissenschaft nicht diesen Zweck, dann ist sie lediglich Selbstzweck und bedeutungslos.

Insofern hat eine Didaktik des Darstellendes Spiels/ Theaters – und hier habe ich eine andere Position als Klepacki/ Zirfas (Klepacki/ Zirfas 2013, S. 7) – sehr wohl „konkrete Empfehlungen für einen guten, erfolgreichen und wirkungsvollen Theaterunterricht“ zu geben. Auch eine Umbenennung in „Theatrale Didaktik“ (Klepacki/ Zirfas 2013, S. 7) trägt nur zur Begriffsverwirrung bei, denn nicht die Didaktik soll theatral daherkommen, sondern ihr Inhalt ist theatral.

In diesem Kontext werde ich demnächst auch verstärkt darauf schauen, wofür und für wen das Geld in der kulturellen Forschung ausgegeben wurde und wird und welche praktisch verwertbaren und hilfreichen Ergebnisse dafür erbracht wurden. Das ist vermutlich ein ertragreiches Forschungsfeld.

In den nächsten Blogbeiträgen werde ich in lockerer Folge darüber berichten, was im Forschungsprojekt läuft und auch immer wieder Bezüge zur aktuellen Diskussion herstellen in der Hoffnung, dass sich letztlich die beste Praxis durchsetzten wird.
Trial an Error.

Bis bald!
Euer Volker

Quellen


• Habich, Ines (2013): Theaterpädagogen – Theatermacher 2. Klasse ...? In: Spiel & Theater. Heft 192, Oktober 2013. Weinheim Deutscher Theaterverlag. S. 27-29

• Herdemerten, Frank (2000): Eigentlich! Was Spielleiter und Spielleiterinnen eigentlich alles können müssten. In: Spiel & Theater. Heft 165, Juli 2000. Weinheim Deutscher Theaterverlag. S. 2-4

• Klepacki, Leopold/ Zirfas, Jörg (2013): Theatrale Didaktik. Ein pädagogischer Grundriss des schulischen Theaterunterrichts. Weinheim und Basel, Beltz Juventa Verlag

• Kopf, Markus (2000): „Wir wollen keine Schauspieler werden, wir sind Pädagogen!“ In: Spiel & Theater Heft 165, Juli 2000. Weinheim 2000, Deutscher Theaterverlag. S. 5-6

verfasst von Volker List am 11. Jun. 2014