Ohne Worte

Ohne Worte

Ohne Worte

In Kitas zu arbeiten kann sooo schön sein. Doch manchmal tanzen einem die Kinder einfach nur auf der Nase herum. Und an anderen Tagen wünscht man sich, sie würden wenigstens dies tun.

In den meisten Einrichtungen habe ich um die 14 Kinder in einer Theatergruppe. Da hatte ich es mir als besonders entspannend vorgestellt, als ich nun in eine Kita mit nur sieben Fünfjährige, die Theaterspielen wollten (/sollten?).

An einem matschigen Spätwinter-Tag komme ich also in den Kindergarten um ein Stück, welches sich die Gruppe wenige Tage zuvor im Jungen Ensemble Stuttgart angeschaut hatte, nachzubereiten.

Mein Joker in sämtlichen Kitas ist Lena. Lena stelle ich immer als meine „kleine Theaterfreundin“ vor. Dabei handelt es sich um eine kleine Handpuppe in Gestalt einer Hexe. Lena ist sehr schüchtern und muss immer mit einem Lied hervorgelockt werden. Dann wird ihr je nach Bedarf etwas erzählt oder vorgemacht. Bei den Stücknachbereitungen erzählen ihr die Kinder, was sie im Theater gesehen haben und stellen beispielsweise als Standbilder bestimmte Szenen aus dem gesehenen Stück nach.
Doch an diesem Tag schauten Lena und ich ganz schön dumm aus der Wäsche.

Von den sieben Kindern waren drei krank. Unter den vier anwesenden Kindern waren zwei nicht im Stück gewesen, einer total schüchtern, sodass man sich immer freut, wenn er überhaupt da ist, und ein Junge der generell eher Schabernack treibt.
Und da saßen wir nun – Lena und ich.

„Na, ihr wart im Theater?“

„...“

„Doch, das wart ihr! Vor drei Tagen! Worum ging es denn in dem Stück?“

„...“

Totalverweigerung! Nachdem letztlich ich dann nochmal das Gesehene zusammengefasst hatte, wollte Lena, mal ein paar Sachen aus dem Stück sehen, da sie den Theaterbesuch leider verschlafen hatte. Und so wurden die Kinder aufgefordert, mal ein Standbild zu machen.
Man muss nun wissen, dass die Kinder aus vorherigen Einheiten sehr wohl wussten, was Standbilder sind und – wie ich mir einbildete – auch Spaß daran hatten, diese darzustellen.

„So, wer kann denn mal zeigen, wie der Wolf und das Schaf zusammen Schlittengefahren sind?“

„...“

„Schaut mal, wunderbar, dieser Kasten hier ist ja ein sehr geeigneter Schlitten! Wer macht mal den Wolf?“

Keiner sagte was. Auch das Ansprechen einzelner Kinder war erfolglos. Alle schüttelten den Kopf und weigerten sich irgendwas darzustellen.
Und auch Lena, die beharrlich meinte, wie sehr sie sich über ein kleines Bild freuen würde, konnte da nichts mehr retten.

Die anwesende Erzieherin entschuldigte das stumme Verhalten ihrer Schützlinge: „Sie haben das Stück ja zum Teil nicht gesehen!“

Und was sollte ich nun machen? Vor mir saßen die stimmlosen Kinder, auf meinem Schoß saß die kleine Lena, die noch immer kein Standbild gesehen hatte und ich sah keine Möglichkeit die Nachbereitung an einem anderen Termin durchzuführen.
So kam es, dass ich allen ernstes mit meiner Handpuppe zusammen Standbilder vormachte – in der Hoffnung, irgendein Kind würde sich erbarmen eins nachzumachen.
Keins machte eins nach. Ich fühlte mich erniedrigt. Auch ein erhoffter Applaus für unsere peinliche Performance war mehr als mager.

Beschämt verließ ich die Kita. Es regnete. Die Welt war ganz ganz schlecht!

verfasst von Julika Tulipa am 17. Mar. 2013