Der Weg zum Masterplatz

Der Weg zum Masterplatz

Der Weg zum Masterplatz

Janita Mucha schreibt über die Bewerbungen um einen Masterplatz im Bereich Theaterpädagogik

Studier doch lieber erst was „Vernünftiges“. Das war der Ratschlag, den ich nach meinem Abitur bekam, als bereits für mich feststand: Ich liebe das Theater und möchte jeden Tag meine Kreativität ausleben dürfen.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Bald bekomme ich mein Zeugnis in die Hand gedrückt und kann mich Bachelor of Arts in „Soziale Arbeit“ nennen. Naja, ob das was „Vernünftiges“ ist J Was zu erwarten war: Erstens fühle ich mich wie viele Studierende noch gar nicht bereit für die „richtige“ Arbeitswelt und Zweitens: mein Herz hängt immer noch an der Theaterpädagogik.

Also entschied ich, mich für einen Masterplatz zu bewerben:

An der Schule für Musik und Theater in Rostock und an der Universität der Künste in Berlin.

Beide staatliche Kunsthochschulen mit sehr gutem Ruf.

Wie es bei solchen Schulen üblich ist, reichte es nicht wie im Bachelorstudium einen Bewerbungsbogen online auszufüllen. Doch ich wusste wofür ich mir die Mühe geben musste und so war es gar keine Frage sich voll Energie auf diese Aufgabe zu stürzen.

Für die Berlinbewerbung musste ich neben dem Lebenslauf, dem Ausfüllen des Bewerbungsbogens und einer Kopie meines Abschlusszeugnisses, eine Dokumentation meiner Vorerfahrungen im theaterpädagogischen Bereich einreichen. Ich sammelte Fotos, Filmausschnitte und Szenencollagen und stellte sie für die Bewerbung zusammen. Außerdem musste ich einen Text über meine persönliche Zielsetzung für die Ausbildung schreiben.

Die Bewerbung für Rostock gestaltete sich da noch etwas umfangreicher. Statt des Motivationsschreibens, das in Berlin verlangt wurde, sollte ich einen drei- bis fünfseitigen Konzeptentwurf für eine prozess- oder aufführungsorientierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen schreiben. Zusätzlich zu allen auch in Berlin verlangten Unterlagen.

Puh, ich hatte natürlich keine Ahnung wie man das genau macht. Schließlich hatte ich noch nie einen Konzeptentwurf geschrieben. Gott sei Dank hatte ich zwei großartige Unterstützerinnen. Die Theaterpädagoginnen Lea Bullerjahn und Rahel Kurpat, die kurz vorher ein Projekt im Mehrgenerationenhaus in Münster auf die Bühne brachten an dem ich teilnahm, standen mir mit Rat und Tat zur Seite. So schaffte ich es meine Unterlagen pünktlich per Post abzuschicken und wartet auf eine Antwort.

Die kam zwei Monate später und eine Woche vor der Aufnahmeprüfung in Rostock. Lasst Euch da nicht von den Zeiten auf der Internetseite irritieren, wie ich es tat JDas angegebene Datum ist für die „Finalrunde“, die fast zwei Monate später stattfindet.

In einer Woche sollte ich ein Gedicht vortragen und einen Monolog vorbereiten. Außerdem wurde ein Bewegungstest angekündigt. Eine Woche! Nicht viel Zeit für die Endvorbereitung, Zugtickets kaufen und Zimmer finden, denn Rostock ist nun mal nicht hier um die Ecke. Nach langem Suchen fand ich ein günstiges Hostel, das allerdings nur noch für die erste Nacht ein Bett in einem 8- Bettzimmer frei hatte. So kam ich in den Genuss gleich zwei Rostocker Hostels zu testen.

Jetzt sollte es ernst werden. Ich war unglaublich aufgeregt, freute mich aber auch nach dem Bewerbungsaufwand eine Chance bekommen zu haben mich persönlich vorzustellen.

Die Woche ging unglaublich schnell rum und die lange Zugfahrt nutzte ich für Entspannung. Was jetzt nicht saß, saß halt nicht…

Angekommen in RostockDie erste Nacht verbrachte ich im Jellyfish- Hostel. Der Vorteil bei diesem Hostel ist, dass es circa zehn Minuten zu Fuß von der Hochschule entfernt liegt und diese von dort sehr leicht zu finden ist. Ich bekam jedoch so gut wie keinen Schlaf. Das Zimmer war sehr eng, es gab keine Steckdosen und kein Licht am Bett. Auch hatte ich kaum Platz meine Sachen abzustellen ohne dass Jemand darüber fiel. Außerdem herrschte die ganze Nacht Hochbetrieb. Ständig kamen Leute rein oder gingen raus, sangen und unterhielten sich. Da hatte ich wohl einfach Pech. Eher empfehlen kann ich das Hanse- Hostel. Es liegt etwas außerhalb, ist aber von der Hochschule auch leicht mit der Straßenbahn zu erreichen. Außerdem ist das dortige 8- Bettzimmer in zwei Viererzimmer aufgeteilt, die durch eine Tür getrennt sind, von dem jedes einen Tisch, Stühle, große Fenster und einen großen Spind für seine Wertsachen besitzt.

Am Donnerstagmorgen ging es also endlich los. In der Einladung, die übrigens nur per Mail kommt, hieß es, man solle sich zwischen 8:00 und 10:00 Uhr zur Anmeldung einfinden.

Diese besteht lediglich darin seinen Namen zu sagen. Dauert also knapp eine Minute. Was sagt uns das? Kommt nicht so wie ich schon um 8:00 Uhr, sondern lasst Euch ruhig etwas mehr Zeit.

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Dann hieß es warten. Um 10:00 Uhr sollten wir uns an einem der Probenräume der Hochschule einfinden. Bis dahin tauschte ich mich mit den weiteren Bewerbern im wunderschönen Innenhof der Hochschule aus. Ich fühlte mich als wäre ich mitten in „Fame“. Der Innenhof ist umringt von zahllosen Probenräumen, aus denen jeweils ein anderes Instrument ertönte. Schauspielstudenten liefen mit Kostümen und Requisiten voll gepackt zwischen uns her und die höheren Semester des Studiengangs „Theaterpädagogik und Darstellendes Spiel“ gesellten sich zu uns und versuchten uns die ersten Ängste zu nehmen.

Das schafften sie nur zum Teil. Als nämlich die wichtige Frage aufkam: „Wie viele werden denn letztendlich genommen?“ war die Antwort nicht so wie erhofft. Für den Studiengang „Theaterpädagogik“ werden neun Bewerber aufgenommen und zusätzlich drei für das Lehramtsbeifach „Darstellendes Spiel“.

Aber darüber wollten wir uns jetzt nicht sorgen.

Namensschildern mit unseren Vornamen wurden an uns verteilt und dann war es auch schon Zeit sich bereit zu machen.
In einem kleinen Raum saßen drei Menschen, die über unser aller Zukunft entscheiden werden. Die Leiterin des Studiengangs begrüßte uns alle und hieß uns freundlich willkommen. Auch hier herrschte eine viel lockerer Atmosphäre als befürchtet.
Nun wurden wir nach Alphabet in drei Gruppen eingeteilt, die gleichzeitig die unterschiedlichen Prüfungen absolvieren sollten.
Am Vormittag wurde meine Gruppe als erstes zum „Stimmentest“ gerufen.Hier wurde jeder Bewerber einzeln in den Raum gebeten. Vor zwei der Professoren sollte jeder sein vorbereitetes Gedicht vortragen.
Schon bei diesem Prüfungsteil wurde uns schnell klar womit wir uns die meiste Zeit des Tages beschäftigen würden: Warten.

Netterweise hatten die höheren Semester im Aufenthaltsraum etwas zu Essen und Heißgetränke für uns bereitgestellt.
Nachdem alle ihr Gedicht vorgetragen hatten sollten wir zum „Bewegungstest“. Hier wärmten wir uns zunächst mit der Tanzpädagogin auf. Im Bewegungstest ging es vor allem um Improvisationen zur Musik und rhythmisches Gehen oder Klatschen. So wurde beispielsweise Musik in verschiedenen Stimmungen abgespielt und wir sollten mit unserem Körper darstellen was diese Musik in uns auslöste. Eine weitere Aufgabe bestand darin Einzeln durch die Diagonale zu laufen und sich dabei im Takt der Musik zu bewegen oder sich in Slow- Motion zu bewegen.

Am Schluss sollte jeder vor die Gruppe treten und sein Statement für den Tag abgeben. Dann gab es erst einmal eine Pause.

Am Nachmittag sollte dann Jeder den vorbereiteten Monolog präsentieren. Jeder hatte fünf Minuten Zeit. Das hieß mal wieder Warten.

Nachdem dann alle dran waren berieten sich die Dozenten noch eine Stunde. Also wieder warten J
Nach der Stunde ging es wieder los mit dem… Warten. Jeder wurde persönlich herein gebeten und für Jeden nahmen die Prüfer sich Zeit für ein persönliches Reflexionsgespräch, in dem uns mitgeteilt wurde, ob wir im Juli noch einmal wieder kommen durften, warum es nicht gereicht hatte oder was sie uns statt einen Master in Theaterpädagogik an ihrer Hochschule empfehlen konnten. Diese Wertschätzung nahmen wir alle natürlich dankbar entgegen, obwohl das mal wieder hieß, ja was wohl: Warten. Aber das konnten wir ja jetzt.

Von den knapp 60 Angereisten dürfen 25 von uns Bewerbern im Juli mit der erneuten Vorbereitung eines Monologs noch einmal unser Bestes geben. Ich bin gespannt und werde dann auch über das Auswahlverfahren in Berlin berichten, das zwei Tage später stattfindet. Wenn es wieder heißt: Vorhang auf!


Anmerkung von TOP.: Aufgrund von Missverständnissen war dieser Artikel immer wieder off- bzw. online. Nun bleibt er der Öffentlichkeit zugänglich. Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, wird es keine Fortsetzung des Artikels geben. TOP bedauert dies sehr, da diese Thematik für viele Leser von Interesse ist, aktzeptiert das jedoch selbstredend.





Bild, HMT Rostock:
I, Schiwago [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) oder CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

verfasst von Julika Tulipa am 06. Jul. 2014