Hildesheim - Bericht Nr. Zwei

Hildesheim - Bericht Nr. Zwei

Hildesheim - Bericht Nr. Zwei

„Die erste Woche nach den Weihnachtsferien ist vorbei und ich bin wieder mitten im Geschehen. In meiner Übung „Märchen“ überlegen wir uns gerade was wir in der Werkschauwoche präsentieren möchten und werden nun, wie es aussieht, vertieft zum Thema „Prüfung“ arbeiten. Außerdem stehen bald die Klausuren und Prüfungen an, was uns Studenten dazu bewegt, es sich eher gemütlich im Zimmer einzurichten und zu lernen. Wirklich Stress habe ich bisher noch nicht und meine Prüfungen halten sich zahlenmäßig auch in Grenzen. Da es aber auch mein 1. Semester ist, habe ich noch nicht wirklich eine Ahnung wie so eine Klausur hier aussieht.“

Dies schrieb ich am 20. Januar und dann schaffte ich es nicht mal mehr den Blog-Eintrag zu vervollständigen, weil ich nur noch die Klausuren im Kopf hatte. Von wegen kein Stress. Inzwischen ist es aber geschafft und ich möchte von meinem bisherigen Studentenleben hier in Hildesheim berichten. Ich weiß, dass ich nicht sehr regelmäßig geschrieben habe, aber es überrascht mich wirklich, dass jetzt das 1. Semester so gut wie rum ist.
Wo ist die Zeit hin, als ich mir noch nicht sicher war, ob ich hier bleiben soll oder mein Studium abbrechen soll, wie lang ist es her, dass ich mir überlegt habe, dass jetzt durchzuziehen und seit dem mein Studium genieße? Wie lang ist es her, dass ich in Rahmen des Seminars (Soulfood&Smörrebröd) „Haggis“ gegessen und jede Menge Whiskey gekostet habe? Mein Kalender sagt mir, dass das alles noch nicht lange her ist. Und doch sind es so viele neue Eindrücke, dass es mir vorkommt als wäre ich hier schon länger als 5 Monate. Hildesheim ist eine kleine Welt für sich: Mit der Domäne nur für uns KuWi's, an der du jeden Tag deine Leute triffst und im Hofcafé dir ein ordentliches Stück Torte gönnst... Mjamm.

Mein Studium in Hildesheim? Sehr aufregend und ganz anders als ich es erwartet habe. Anders, weil hier im Theaterbereich viel mit Performance experimentiert wird und ich noch nie so viel über „Was ist gerade auf der Bühne passiert“ reflektiert habe. Inzwischen habe ich die Begriffe von Installation über postmodernes Theater, Phänomenologie, Hermeneutik, Interpassivität, leibliche Kopräsenz, vierte Wand, Guckkastentheater, science specific, etc., etc. auf dem Kasten und bin doch erstaunt darüber, dass ich die Begriffe jetzt tatsächlich anwenden kann um genauer zu beschreiben, was ich da jetzt gerade auf der Bühne gesehen habe. Diese Begriffe und Hintergründe lernen wir in den Seminaren „Einführung in die Arbeitsfelder der Theaterwissenschaft“, sowie „Einführung in die Aufführungsanalyse“. Nach dem ich vier mal ein Aufführungsprotokoll geschrieben habe, in dem es darum geht, möglichst genau anhand z.B. der Mimik eine Performance oder ein Stück zu analysieren. Dies fiel mir zu Beginn sichtlich schwer, aber mit der Zeit fühle ich mich selbstbewusster mit den theaterwissenschaftlichen Wörtern, die ich zu Anfang sehr belustigend fand, umzugehen. Meine Aufgabe für den Rest des Semester wird es jetzt noch sein, eine Aufführungsanalyse als Hausarbeit zu schreiben. Ich hoffe mein Handwerks-Koffer ist dieses Semester so gut gepackt worden, dass ich es schaffen werde, auch wenn „Schreiben einer Hausarbeit“ für mich noch ein Mysterium ist.

Ein sehr schöner Moment dieses Semester war, als wir Besuch von Brigitte Dethier bekamen, der Intendantin des Junges Ensemble Stuttgarts. Da ich letztes Jahr am JES ein Praktikum gemacht habe, war es für mich ein kleines Stück „Heimat“ in der „Ferne“. Sie hielt ein Blockseminar über „Was erzählt werden muss...Spielpläne gestalten für junges Publikum“, in welchem wir uns in Gruppen einteilten und uns Themen überlegten, welche interessant für junges Publikum sein könnten und diese Themen dann genauer ausarbeiteten, hinsichtlich Materialfindung (Bilderbücher, Stücke, Postkarten, Zitate) und konkreten Konzeptionen (Theaterpädagogisches Projekt, Ensembleproduktion, Theater-Labor,...).

Was ist jetzt eigentlich aus meiner Theaterübung „Märchen“ geworden? Nun wir hatten diese Woche Werkschau (in der Ausstellungen,Performances, Lesungen, … gezeigt werden, erarbeitet aus den Übungen des Semesters) und konnten eine kleine 20 min Performance zeigen, in der wir eine Wartesituation vor eine Prüfung zeigten und uns dann Prüfungen aus Märchen erzählten, die aber alle schief gehen. Dann fingen wir an für die Prüfung zu trainieren, um uns darauf vorzubereiten, was nach der „Tür“ kommt (welche zur Prüfung führt). Im Endeffekt sah es unter anderem so aus, dass ich festgeschnürt mit Verbänden mich auf dem Boden versuchte zu befreien (Hintergrund war die Hecke aus Dornröschen, in der sich viele Königssöhne verhängten und nicht mehr los kamen), ein Mitspieler einen Text mit Schneewittchen las und versuchte möglichst lange einen Apfel dabei zu essen ohne die Bisse herunterzuschlucken. Wir hatte auch eine Choreographie, in der wir darstellten die Äpfel vom Apfelbaum aus Goldmarie&Pechmarie zu pflücken und den Apfelbaum zu schüttelten, was eher nach einem harten Work-Out aussah...

Zuletzt will ich nur noch erwähnen, dass ich überrascht bin, wie groß hier in Hildesheim doch die Spanne an Angeboten der Vorlesungen sind. Ich habe dieses Semester einiges gelernt über die GEMA, die KSK, was sind Management-Strategien?, was ist eigentlich ein Star?, wie kann man das Thema Genderperformance in der Theaterpädagogischen Arbeit angehen?, welche Tradition haben Trinklieder?, wie gründe ich einen gemeinnützigen Verein?, und und und...Das erste Semester ist abgeschlossen nun geht es erst mal in die Vorlesungsfreie Zeit! - Juhu!!!

So long, Lea

verfasst von Lea Sophie Tatsch am 10. Feb. 2014