Lingen - Bericht Nina KW 47/48

Lingen - Bericht Nina KW 47/48

Lingen - Bericht Nina KW 47/48

Die letzten Wochen erscheinen mir schon wieder ewig weit entfernt zu sein.
Immer scheint so viel zu geschehen, innerlich, dass ich kaum hinterher komme, all das gelernte zu verarbeiten. Schreiben hilft mir da zur Zeit am meisten. Einfach, ohne nachzudenken alles aufschreiben, was gerade ungeordnet durch meinen Kopf schwirrt.

Da es nun auf den Winter zugeht, waren einige von uns krank und sowohl unsere Stimmung als auch das Energielevel waren etwas gedämpft. Ich finde es wirklich interessant, dass es oft für die ganze Gruppe zutrifft, als hätte wir uns bereits in dem Sinne aufeinander eingespielt, dass sich auch unsere körperlichen Empfindungen aufeinander übertragen.

Am Dienstag, dem 19.11., war ich zum ersten Mal beim Erzählcafé. Das ist eine Veranstaltung, die bei uns im Institut, im integrierten, kleinen Brugtheater stattfindet. Dorthin werden ehemalige oder noch aktive Menschen eingeladen, die die Entwicklung der Theaterpädagogik geprägt haben und deren Vorlass im Theaterpädagogischen Archiv in Lingen einzusehen ist.

Zwei Studentinnen aus unserem Institut haben das Gespräch angeleitet und bei Tee und Kaffee konnte man gemütlich zuhören.
Da auch ich in der Woche etwas angeschlagen war, ging ich etwas früher und habe daher nicht alles mitbekommen.

Am Mittwoch, in Theaorie und Geschichte des Theaters, haben wir dann das Erzählcafé reflektiert. Wie war die Stimmung? Was könnte man das nächste Mal besser machen? Und so fort...

Dann ging es um das Theaterstück, oder besser gesagt die Oper, „Sieg über die Sonne“, die 1913 ihre Premiere hatte. Es ist mehr oder minder eine Beschreibung dessen, was passiert, wenn man die Naturkräfte außer Kraft setzt. Und ganz nach Heiner Müllers schönem Satz: „Der Text ist klüger als der Autor.“, haben wir wahrscheinlich einiges mehr in das Stück hineininterpretiert, als bewusst intendiert war.

Am Donnertag habe ich dann im Bett gelegen, meine schmerzenden Mandeln mit viel Flüssigkeit begossen und die Kraftreserven meines Körpers aufgetankt, auch wenn es mir ein wenig wehtat, das Impulstraining zu verpassen.

In dem Fach Kreative Pädagogik, haben wir die „KOLLEGIALE BERATUNG“ als eine mögliche Reflexionsform kennengelernt. Besonders in Teamsitzungen ist diese Methode sehr hilfreich, da es wirklich darum geht, einer Einzelperson aktiv und produktiv zuzuhören.

In der darauffolgenden Woche, hat mich das Erzählcafé sehr beeindruckt. Zu Gast war Kristin Wardetzky. Ab 1970 war sie Theaterpädagogin am Theater der Freundschaft in Berlin (heutiges Theater an der Parkaue), unterrichtete später unter anderem an der Universität der Künste, startete viele Projekte und war so belebt, in ihrer Art zu erzählen, dass wir alle begeistert waren.

Es ging auch um das Geschichtenerzählen, eine Kunst, die mich persönlich sehr interessiert. Seit kurzem kann man an der Universität der Künste einen Zertifikatskurs „Künstlerisches Erzählen“ machen.

In Theorie und Geschichte des Theaters lernten wir dann die BIOMECHANIK kennen. Eine alte Schauspielform, die stark beeindruckt. Es ist eine unglaubliche Körperwahrnehmung und Beherrschung notwendig, um die Übungen auszuführen und dann auf ihrer Basis improvisieren zu können. Entfernt erinnerte es mich an einen Vorläufer des pantomimischen Theaters.

Beim Impulstraining war ich dieses Mal an der Reihe Mutter* zu sein. Ich folgte meinen Impulsen, während die anderen versuchten sich mir anzuverwandeln und mir folgten. Es hat mir sehr gut getan, nur auf mich und meinen Körper fixiert zu sein. Dennoch fühlte ich mich später leer. Wahrscheinlich, da ich es nicht gewohnt bin, so tief in mich zu blicken, mich auszuleben, mir zu folgen, auf meinen Körper zu hören. Dann fällt es schwer, zurück im Alltag zu stehen und das Erlebte zu verarbeiten und positiv zu nutzen.

 

*Anm. v. d. Red.: Muttersein bedeutet beim Impulstraining, dass der gesamte Kurs dir folgen muss und deine Bewegungen mitmachen soll. Dabei ist es wichtig, dass die Mutter sich möglichst instinktiv bewegt und sich keine Bewegungsabfolgen im Vorfeld ausdenkt.

verfasst von Nina Nitzsche am 09. Dec. 2013