Lingen - Bericht Leonie KW 39 /40

Lingen - Bericht Leonie KW 39 /40

Lingen - Bericht Leonie KW 39 /40

Bericht der ersten beiden Wochen von Leonie...

Nach meiner ersten Woche in Lingen, unserem Ensembletraining, dem Ankommen in unserem Institut und bei den anderen 17 Menschen meines Studiengangs, erkunden wir während der Einführungstage Lingen.
Denn da gibt es neben unserem Institut noch diesen riesigen Hochschulkomplex mit angehenden Wirtschaftsingenieuren und Kommunikationswissenschaftlern etc., die auch Studenten der Hochschule Osnabrück sind. Während wir durch diese riesigen Hallen laufen, wird mir bewusst wie behütet wir in unserem kleinen Institut und wie konträr die Atmosphären sind.

Fast alle Dozenten und auch die Theaterpädagogen der höheren Semester kennen uns mit Namen, spätestens wenn alle während der Pause ihre Nudeln in der Institutsküche kochen, lernt man sich kennen. Unsere Studieninhalte decken sich inhaltlich und auch praktisch mit den Strukturen des Instituts. Stichwort Gruppenarbeit. Jedes Fach wird Plattform für Diskussion, so auch ,,Theorie und Geschichte des Theaters“, eins der wenigen theoretischen Fächer. Die Angst wieder in schulische Strukturen gezwungen zu werden, verfliegt schnell, unsere Dozentin führt uns enthusiastisch in Theatersäle- und Welten, vor und hinter die Kulissen, in Köpfe großer und kleiner Denker. Jeder Dozent hat Interesse an unseren Erwartungen der nächsten drei Jahre und ich bekomme Lust diese Zeit mit so viel Input wie möglich zu füllen.
Viele der Lehrenden sind selbst Wegbegleiter der Entstehung der Theaterpädagogik in Deutschland und darüber hinaus. Zudem löst sich nach und nach meine innere Erwartungshaltung und Angst versagen zu können, denn es geht nicht mehr um Wertungsskalen und ,,Gut/ schlecht“, sondern um mich und meine persönliche Entwicklung, kreative Prozesse und Findung der eigenen Haltung als Theaterpädagoge. Ein beruhigendes Gefühl.

- ICH JETZT HIER SEIN-

Dieser Satz, mit dem wir im Ensembletraining improvisierten, begleitet mich intensiv die ersten 14 Tage. Besonders stark wird dieses Motiv im  Impulstraining aufgegriffen, dessen Inhalte schwierig in Worte zu fassen sind.
Ich denke Titel dieses Unterrichts ist es, seiner eigenen Haltungen und Bewegungen bewusst zu werden und auf innere Impulse zu hören und diesen Freiraum zu geben. Vielleicht das, was wir im Alltag verdrängen an die Oberfläche zu bringen und mit der Gruppe auszuspielen. Untermauert mit Musik, körperlicher Entschleunigung und Anspannung. Ähnlich wie beim Körüer- und Bewegungsmodul, wot wir uns noch ausführlicher mit unseren Körperteilen und deren Funktion und Spielräumen beschäftigen. Noch nie habe ich fünf Stunden meinen Füßen so viel Aufmerksamkeit geschenkt, eine interessante Erfahrung. Muskelkater und Zufriedenheit sind Resultat dieser Stunden.

Das Geschehene und Situationen in Worte zu fassen, zu kommunizieren und diskutieren, liegt allen Unterrichtseinheiten über. Reflexion, das goldene Wort. Natürlich auch das produktive Weiterarbeiten mit dem entdeckten Material!

In kreativer Pädagogik erstellen wir das Portrait eines ,,Guten“ Theaterpädagogen und ich stelle für mich fest, dass ich mit 17 Menschen die nächsten drei Jahre verbringen werde, die alle unterschiedlich und sich zugleich so ähnlich sind.

Sehr erschöpft falle ich jeden Abend in mein Bett in unserer WG in Münster, denn Paul, Nina und ich haben uns entschieden jeden Tag 2 Stunden Pendeln in Kauf zu nehmen, um die Vorzüge der ,,Großstadt“ Münster zu genießen. Einige Zugausfälle morgens lassen mich an dieser Entscheidung zweifeln, aber das Angebot, welches Münster außerhalb des Hochschullebens bietet, ist doch sehr viel vielfältiger als das in Lingen.

 

verfasst von Leonie Adam am 20. Oct. 2013