Ottersberg - Bericht XIII

Ottersberg - Bericht XIII

Ottersberg - Bericht XIII

Nach einer sehr langen, durch Zeitmangel bedingten, Berichtspause kommt mal wieder ein Bericht aus Ottersberg.
Ich versuche alles was seit Ostern passiert ist anzureißen. Sicherlich wird dabei manches unter den Tisch fallen. Dennoch der Versuch alles zusammen zu fassen

Nach Ostern arbeiteten wir straight auf die Präsentation für Erzählen und Mitteilen hin. Natürlich sind da viele Emotionen hoch geploppt. Vor allem nachdem wir mitbekommen haben das aus allen höheren Semestern Leute kommen um sich das Ganze anzuschauen. Ersties gucken. Dennoch haben wir mit Extraproben die Präsentation gut auf die Reihe bekommen und konnten Emotionen und Geschichten mitteilen.
Ich glaube, wir haben während der Erzählen und Mitteilen Einheit nicht nur etwas über das Theater, sondern auch über uns selbst gelernt. Ich habe Erzähltheater als Möglichkeit entdeckt um Menschen zu helfen, sich zu öffnen und zu erkennen, dass ihre Gefühle nicht ausgelacht werden sondern im richtigen Kontext ernst genommen werden. Ich denke, dass das Erzähltheater eine gute Möglichkeit ist um mit Jugendlichen zu arbeiten.

Direkt am Tag nach der Erzählen und Mitteilen Präsentation ging es ans Gipsköpfe machen, denn das erste Pfingstwochenende waren wir gemeinsam auf Rügen um Halbmasken zu bauen. Dafür brauchten wir Gipsformen unserer Köpfe. Also unseren Kopf mit Gipsbinden voll kleistern lassen und so eine Form des Kopfes bekommen. Am nächsten Tag einen Hohlguss machen um eine Positivform unseres Kopfes zu bekommen. Jetzt haben wir alle unseren Kopf bei uns in der Wohnung stehen. Es gab tausend Witze darüber die sich von relativ flach bis unteritdisch flach bewegten. Diesen Ausgleich brauchten wir aber.

Am nächsten Tag ging es los nach Rügen. Nach sechseinhalb Stunden Zugfahrt waren wir endlich da und liefen erst mal gemeinsam ans Meer. Nach dem Abendessen gab es noch eine kurze Besprechung wie die nächsten Tage ablaufen werden und dann konnten wir uns den Abend gestalten wie wir wollten.
Am nächsten Tag nutzten wir den Vormittag um einen Tonkern auf unsere Gipsköpfe zu machen, hier gab es erste Frustmomente.


Am Nachmittag entstand dann die eigentliche Maske aus Baseler Kaschierpapier. Über Nacht trockneten dann unsrer Masken. Am nächsten Tag bemalten wir sie lasierend. Das ist eine bestimmte Technik des Malens.
Nachmittags machten wir gemeinsam einen Spaziergang zu den Kreidefelsen und abends saßen wir gemeinsam am Lagerfeuer.
Am nächsten Tag ging es zurück. Und wir bekamen einen Tag frei. Den hatten wir alle nötig. Ich hab mir aber natürlich Termine an diesen Tag gelegt. Ich muss wirklich lernen mir zumindest einen Tag in der Woche komplett frei zu halten.

Dann ging es los mit der Halbmaskenarbeit. Figuren finden, Namen für die Figuren finden etc., Improvisieren in der Figur. Wer mehr zum Thema Maskenarbeit wissen will, dem kann ich nur das Buch I"mprovisation" von Keith Johnstone ans Herz legen (HIER Rezension lesen und bestellen!). Unser Dozent arbeitet zwar etwas anders, aber im Prinzip sind sie sich in ihren Methoden ähnlich. Zudem ist das Wesen von Maskenarbeit schwer in Kürze zu erklären. Meine Maskenfigur heißt Murena und ist dem Archetyp der Hexe sehr ähnlich. Es macht Spaß mit ihr zu spielen. Aber es ist auch sehr spannend die anderen Figuren zu sehen und zu sehen wie sich vollkommen unterschiedliche Figuren zeigen.

Am Halbmaskenunterricht sind aber auch die Aufwärmübungen ganz neu und spannend. Unser Maskendozent arbeitet viel in JVAs, in der Forensik und mit Junkies. Das heißt seine Übungen müssen Berührungsängste und alle möglichen anderen Ängste viel stärker abbauen und er muss häufig in seinem Berufsfeld mit einer anderen Art von Fingerspitzengefühl arbeiten als jemand der immer mit Jugendlichen arbeitet. So können wir in ein anderes Berufsfeld der Theaterpädagogik und des Theaters zugleich schauen. In Maske beginnen wir nun auf eine Präsentation hin zu arbeiten.

Wir hatten zwischendurch auch noch Singen, wo wir gelernt haben, Kanons anzuleiten und wie man einer Gruppe, die keine Noten lesen kann, ein mehrstimmiges Lied beibringt. Zudem mussten wir alle einmal Solo singen und bekamen Tipps, wie wir an unseren Stimmen selbstständig arbeiten können. Gesang wird in den höheren Semestern immer mal wieder vertieft.

Und wir hatten Anatomie. Allerdings nicht nur trocken - wie funktioniert der Körper. Wir haben erst ein wenig Bewegungstheorie gelernt, Aufbau des Körpers, wie entstehen Fehlhaltungen etc. und dann das Ganze mit Bewegung versucht zu erforschen. Dabei haben wir ein paar leicht Tänze gelernt. Das Fach geht fließend über in das Fach Elemente von Tanz und Bewegung. Dort lernen wie verschiedene Volkstänze, verschiedene Tanztheorieansätze.
Leider haben wir das Fach nur sehr kurz und die Einheiten sind auch nicht lang. So können wir zwar ganz gut an unsrer eigenen Beweglichkeit arbeiten, für theoretisches Wissen und Vertiefung bleibt jedoch leider nur Zeit für Anregungen.

Zudem haben wir gerade unsere Akrobatikpräsentation gehabt. Bei den Vorbereitungen dafür, wurde uns völlig freie Hand gelassen. Der Dozent war nur da um uns beim üben der Tricks zu helfen und bei Fragen zur Seite zu stehen. Ansonsten hatten wir noch die Vorgabe, dass jeder von uns mindestens 4 Tricks zeigen sollte und, dass es gut wäre, wenn wir einen gemeinsamen roten Faden finden. Die Findung des Abends war schwierig, vor allem durch zu spät Kommende und Schwänzer wurde sie erschwert. Doch das Endergebnis ist gelungen.

Zu guter Letzt haben wir noch Bilder von den Erstsemestern der Kunsttherapeuten bekommen die wir nun tänzerisch umsetzen sollen. Bis wir die Arbeiten vorzeigen müssen, ist es auch nicht mehr lange hin. Vier Tage noch, um genau zu sein.

Zum Glück kündigt sich gerade eine etwas ruhigere Phase an und bald sind Semesterferien, in die wir alle verdient starten werden. Ich hoffe, ich kann nun wieder regelmäßiger schreiben und melde mich bald wieder mit Neuem aus Ottersberg.

verfasst von Charlotte Werner am 24. Jun. 2014